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"...ich kann’s schon sagen. Aber mit Worten?” Grundschulkinder aus Berlin-Wedding machen "SPARR-RADIO”

Radio hören ist nicht schwer, Radio machen dagegen sehr. Mit dieser Binsenweisheit im Gepäck haben sich im November/Dezember 2004 Mitarbeiter des Kinderradios ‘Radijojo’ auf den Weg in drei Weddinger Grundschulen gemacht. Die Schüler aus den insgesamt zehn Klassen der Stufen 4 bis 6 waren in den meisten Fällen von Anfang an begeistert über die Abweichung vom regulären Lehrplan. Teilweise äußerten sie aber auch Skepsis: "Warum machen wir nicht lieber Fernsehen, Radio ist doch langweilig, was soll schon schwer daran sein, ein bisschen zu reden?"

Doch schon in der Einführungsphase wurde klar, nicht nur das Reden bereitet manchmal Schwierigkeiten, sondern auch das Hören. Zumindest, wenn aus dem Radio mehr kommt, als nur Musik und seichte Moderationen. Bei zahlreichen Hörbeispielen galt es herauszufinden, wie viel Personen gesprochen hatten, worum es inhaltlich ging, ob das Gehörte eine Moderation, ein Interview, eine Umfrage oder ein Hörspiel war. Im nächsten Schritt wurde es noch komplizierter. Denn im Hinblick darauf, dass die Schüler ihre eigene Radiosendung machen sollten, musste sich jeder entscheiden, wo seine Stärken liegen könnten: im Reden, im Schreiben, in der Musik, beim Organisieren oder in technischen Fragen. Denn schließlich galt es, im Vorfeld die vielfältigen, anstehenden Aufgaben zu verteilen: das Schreiben von Texten, das Moderieren, Umfragen machen, Musiken aussuchen, sich mit den Tücken der Aufnahmetechnik beschäftigen.

Als dieses geklärt war und die einzelnen Klassen sich auf ihre Themen geeinigt hatten, konnte es losgehen. Die jahrgangsübergreifenden M-Klassen der Brüder-Grimm-Grundschule produzierten z.B. mehrere Hörspiele für ihre Märchensendung. Die Klasse 4c der Trift-Grundschule machte eine Reportage über die nahgelegene Tierfarm mit Tonbeispielen und Interviews - auch mit Tieren. Geschichten von Liebe und Freundschaft erzählte die Klasse 5b der Herrmann-Herzog-Grundschule. Jede Gruppe entschied sich für Umfragen zu ihrem Thema auf der Straße und auf dem Schulhof. Es gab Nachrichten aus der Schule und aus dem Märchenwald. Ganze Klassen und einzelne Kinder sangen Lieder, trommelten, musizierten oder dachten sich Ratespiele aus.

Und während den einen die Geschichten nur so aus den Federhaltern bzw. direkt ins Mikro flossen, hatten andere enorme Schwierigkeiten, sich auszudrücken und dabei noch die Scheu vor dem Mikrofon zu überwinden. Hier lag es an den Redakteuren von Radijojo, ihnen Mut zu machen, kleine thematische Hilfen und Anstöße zu geben. Je nach den sprachlichen Fähigkeiten entstand so Satz für Satz, teilweise Wort für Wort ein kleiner Anteil für das Gemeinschaftsprojekt. Am produktivsten erwiesen sich spielerische Ansätze, wenn die Kinder mit Hilfe von Improvisation, Bewegung und Phantasie zu eigenen Geschichten, Ideen und Texten fanden.

Das Hören der eigenen Stimme "wie im Radio”, also außerhalb der eigenen Körpergrenzen, war vielen Kindern zunächst peinlich, weil ungewohnt. Doch erstmals entstand für sie so eine – kritische – Beziehung zur eigenen Sprache. Was zur Folge hatte, dass der Text auf eigenen Wunsch so oft neu eingelesen wurde, bis jeder mit der Aufnahme zufrieden war. Sprach eine Gruppe einen Text gemeinsam ein, gab es oft schon währenddessen Verbesserungsvorschläge oder Mahnungen zur Ernsthaftigkeit innerhalb der Gruppe.
Beim Schreiben und Sprechen immer auch an den Hörer zu denken, fiel natürlich schwer. Manchmal half es den jungen Radiomachern, die Augen zu schließen, die Mimik und Gestik einzuschränken. "Es ist doch ganz einfach. Ich kann es schon sagen! Aber mit Worten?” sagte ein 10-jähriges Mädchen, überlegte dann und fand nach einer halben Minute doch noch die passenden Worte.
Der Spaß an der praktischen Umsetzung eigener Ideen in einer Radiosendung war für die Kinder eine treibende Kraft, über das Medium Radio und ihre eigenen sprachlichen Fähigkeiten nachzudenken. Und an jedem Tag fragten sie: "Wann kommt ihr wieder, wann machen wir weiter?” Ach ja: auch die Lehrer waren begeistert von der ernsthaften Projektarbeit ihrer Schüler und dem sprachfördernden Medium Radio.

Das Projekt lief von November 2004 bis Januar 2005 und wurde vom Quartiersmanagement Sparrplatz gefördert. Eine Fortsetzung ist wegen des großen Erfolgs geplant. Weitere Infos lesen Sie hier in der Projektbeschreibung.

Text: Annekatrin de Mel, Fotos: Radijojo
 
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