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Donnerstag, 17.04.2008

Zug der Erinnerung hält im Bahnhof Westhafen

Holocaustopfer
Siegfried, Renate und Liane: Opfer der Vernichtungsmaschinerie. Foto: Wikimedia Commons, Arne List

Derzeit fährt dieser Zug durch alle Medien, denn die Bahn AG stellt sich stur und will das rollende Mahnmal nicht an den wichtigsten Stationen der damaligen KZ-Transporte halten lassen. Die Sperrung begründet die Bahn AG mit „betrieblichen“ Erfordernissen. Beim Hamburger Hauptbahnhof musste die Sperrung nach Protesten teilweise aufgehoben werden. Auch in Berlin haben die Menschen wenig Verständnis für die Haltung der Bahn. Besonders unsensibel: sie verlangt auch noch kräftige Gebühren für die Benutzung der Gleise. Insgesamt erwartet die private Bürgerinitiative DB-Rechnungen in Höhe von über 100.000 Euro. Für den Sprecher der Zug-Initiative, Hans-Rüdiger Minow, ist die Verweigerungshaltung ein Affront. "Die Verbrechen des Holocaust wurden seinerzeit möglich, weil Millionen Menschen weggeschaut haben", sagt er. "Aber eben auch, weil die Deutsche Reichsbahn funktioniert hat." Die Deutsche Bahn AG sei deren direkter Nachfolger, das dürfe auch Herr Mehdorn nicht vergessen.

Vom 19. bis 20. April hält der Zug nun auch in unserer Nähe im Bahnhof Westhafen – die erschütternde Ausstellung über die Kindertransporte zu den Vernichtungslagern der Nazis ist kostenlos und jeweils von 9 bis 19 Uhr zu sehen.

Koffer einer Deportierten
Koffer von Berta "Sara" Rosenthal aus Berlin-Charlottenburg. Foto: Clemens Kirchner, Deutsches TechnikMuseum Berlin

Mit dem Zug der Erinnerung informieren deutsche Bürgerinitiativen über die Deportationen von über 12.000 jüdischen Kindern und die Verschleppung Jugendlicher aus zahlreichen anderen Opfergruppen. Von einer alten Dampflok gezogen war der „Zug der Erinnerung“ Am 8. November 2007 in Frankfurt a.M. gestartet. Eine mobile Ausstellung, die das Deportationsschicksal in mehreren Waggons darstellt, will insbesondere Jugendliche zur Spurensuche anregen. Schätzungen gehen davon aus, dass über eine Million Kinder und Jugendliche aus fast sämtlichen Staaten des Kontinents mit der Reichsbahn in den Tod befördert wurden. Die Haupttäter wurden nie bestraft.

An den früheren Deportationsorten bemühen sich Bürgervereine teilweise seit Monaten um Spurensuche nach den deportierten Kindern und Jugendlichen. Die Opfer stammen aus jüdischen Familien, aus Familien der Sinti und Roma oder sind Kinder von Nazi-Gegnern. Ihre Lebenszeugnisse, Fotos, Archivbelege und mündlichen Berichte wird der Zug am Ende der mehrmonatigen Reise zur Gedenkstätte Auschwitz (Oswiecim) bringen. Der Leidensweg der jugendlichen Opfer ist in der deutschen Öffentlichkeit bisher weitgehend unbeachtet geblieben.

Wieviele der deportierten Kinder und Jugendlichen überlebten, ist bis heute unerforscht. Eine deutschlandweite Deportationsliste existiert nicht – sie müsste mehrere zehntausend Namen nennen. Zusätzlich zu den Kindern aus Deutschland waren es Kinder aus ganz Europa, die in die Todeszüge getrieben wurden. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche deportiert wurden.

Nur wenigen gelang es, letzte Briefe aus den Reichsbahn-Waggons auf  die Gleise zu werfen, bevor die Züge die Lager erreichten. In den überfüllten Waggons hofften die Kinder auf Hilfe. Aber auf den Abstellgleisen und Bahnhöfen unserer Städte schritt niemand ein.

Weitere Infos:

Pressetext www.zugdererinnerung.de/ bearb. Anne Wispler
 
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