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Dienstag, 17.11.2015

Von Licht und Schatten

Die Fahndung nach dunklen Ecken im SprengelKiez

Gruppe 1 sammelt sich vorm Lindengarten
Die Aufgabenliste
Die Tour führt zunächst durch die Buchstraße
Den Gaslaternen wird ein stimmungsvolleres Licht nachgesagt
Dieser allerdings nicht …
Im Sprengelpark ist es zappenduster
Vorm SprengelHaus treffen sich die beiden Gruppen unter der defekten Hausnummerbeleuchtung
Hans-Georg Rennert eröffnet die Sitzung des Runden Tisches
Nun sitzt Herr Rennert vor den protokollierten Ergebnissen der Diskussion

Acht Menschen treffen sich am späten Nachmittag des 16. November vorm Lindengarten. Aber nicht, um ein Gläschen Rotwein zu trinken. Sie wollen auch nicht um die Häuser ziehen und die Gegend unsicher machen – im Gegenteil. Ihr Anliegen ist die Sicherheit in den Straßen, genauer gesagt der Zustand der Straßenbeleuchtung in ihrem Kiez. Die „Light-Checker“ sind Teilnehmer des Runden Tisches „Älter werden im SprengelKiez“ und haben eine Liste mitgebracht, mit deren Hilfe sie nun einen Streifzug durch den Sprengelkiez unternehmen. Welche Laternen funktionieren nicht, wo ist es besonders dunkel, wie sicher kann man sich im Kiez fühlen, wenn die Sonne sich gerade um diese Jahreszeit schon am Nachmittag vom Firmament verabschiedet? Nicht gerade angstschlotternd, sondern frohgemut und Neuigkeiten unter Nachbarn austauschend geht es zu Werk. Es sind nicht nur Senioren, die jetzt die Nacht erobern, aber zum überwiegenden Teil.

Eine Teilnehmerin berichtet, dass es einen ähnlichen Spaziergang schon einmal vor circa drei Jahren gegeben habe. Damals, so erinnert sie sich, sei der Zustand der Straßenbeleuchtung schlechter gewesen – jedenfalls in diesem Teil des Kiezes. Aber ob sie sich unsicher fühle hier, gerade am Abend? Nein, lacht sie, das sei doch schon immer ihr Kiez und sie könne sogar mit verbundenen Augen durch die Straßen gehen, ohne ihr Ziel zu verfehlen. Aber wenn die Straßenbeleuchtung ausfalle, sei das ein Puzzlestein mehr im Gesamtbild des Kiezes, das von vielen als etwas heruntergekommen beschrieben werde. Hundekot, illegal entsorgter Müll und schlecht gepflegte Grünflächen komplettieren den Eindruck, der aber ihrer Meinung nach völlig überzogen sei. Was sie schade findet ist, dass in den nächsten Jahren nach Senatsbeschluss die gewohnte Gasbeleuchtung verschwinden werde. Diese sei nicht nur stimmungsvoller, sondern beleuchte auch das Trottoir besser, während die modernen Peitschenlampen eher die Fahrbahn ausleuchteten.

Unsere Tour führt uns vom Nordufer über Buch-, Amrumer und Fehmarner Straße bis hin zum Pekinger Platz. Von dort gehen wir ein kleines Stück Kiautschoustraße, um dann durch den SprengelPark in die Sprengelstraße zu wechseln. Im düsteren SprengelPark spielen noch Eltern mit ihren Kleinkindern, es ist ja noch nicht mal 18:00 Uhr. Und dennoch stockfinster. Den Ball kann man gerade noch erahnen, wenn er nicht im Lichtkegel der hier reibungslos funktionierenden Straßenlaternen aus der angrenzenden Sprengelstraße liegen bleibt. Noch schnell einen Kontrollblick in die Samoastraße werfend geht unser Rundgang weiter zum SprengelHaus, wo wir uns mit der zweiten Truppe, ebenfalls aus acht Leuten bestehend, treffen. Auf dem gesamten Weg begegnet uns gerade mal eine durchgeknallte Laterne in der Sprengelstraße. Später werden wir erfahren, dass es auf der Tour im östlichen Teil, der mehr zu Müllerstraße hin zeigt, wesentlich mehr Ausfälle von Straßenlaternen registriert wurden, nämlich neun. Als nicht den Vorschriften entsprechend wurde auch die teilweise fehlende Beleuchtung der Hausnummern bezeichnet, was gerade bei Notarzt- oder Feuerwehreinsätzen ein Problem darstellen könne. Lustiger- oder fatalerweise brennt nun gerade unter anderem in der Sprengelstraße 15 dieses Licht nicht – eben am Treffpunkt SprengelHaus. Aber wir können uns sicher sein, dass dieser Fauxpas in den nächsten Tagen beseitigt wird, so Hans-Georg Rennert, den wir im SprengelHaus treffen.

Im Versammlungsraum des SprengelHauses wird aufgetischt: Käsespießchen, Schnittchen, Kaffee, verschiedene Sorten Tee und Kaltgetränke. Die Gäste sollen sich wohl fühlen, und das tun sie auch. Im Smalltalk vor dem Beginn der Versammlung geht es um den lebendigen Adventskalender, die Vorzüge von Ingwertee, die Gründe für das Fehlen Erwarteter und vieles mehr. Schließlich schreitet Rennert zur Tat und beginnt. Die ganze Veranstaltung ist eher diskursiv angelegt, nach einigen kurzen Bemerkungen (dritter Kiezspaziergang, vor 20 Jahren wurde die Osterkirche begrünt, …) geht es direkt ins Thema. In der lebendigen Diskussion hat Hans-Georg Rennert manchmal Mühe, mit dem Protokollieren hinterher zu kommen, denn die vorgegebene Struktur – erstmal sammeln wir die defekten Laternen, dann Stellen, die uns zu dunkel erscheinen u. s. w. – wird immer wieder verlassen. Das macht aber gar nichts, denn so kann jeder seine Gedanken loswerden und es entsteht ein Meinungsbild, das man in etwa mit „Schon OK“ zusammenfassen könnte. Es gibt ein paar dunkle Ecken – der Sparrplatz, der SprengelPark, der Pekinger Platz – aber dies sind ja als Grünflächen deklarierte Flächen, die für die Installation städtischer Beleuchtung nicht vorgesehen sind. Gerade hinsichtlich der Querung des Sparrplatzes – hier wird berichtet, dass Frauen diesen Weg nachts meiden – wird die Frage aufgeworfen, ob eine „Entwidmung“ der Grünfläche längs des Weges möglich sei. Die beiden Polizisten, die mit der anderen Gruppe gemeinsam durch den Kiez gezogen sind, schließen dies als einen Lösungsansatz nicht völlig aus. Allerdings wird dieser Prozess – falls überhaupt – viel Zeit in Anspruch nehmen. Mit einer beleuchteten Querung des Sparrplatzes ist also in naher Zukunft nicht zu rechnen.

Weitere Berichte und Anregungen bezogen sich etwa auf eine in einen Baum wachsende Laterne, die wenig bis kein Licht mehr spendet, die Frage, ob man wie in München üblich an jeder Laterne eine Plakette mit Info-Telefonnummer für den Fall eines Defektes anbringen könne. Grundsätzlicher war dagegen die Frage, was denn mit den Ergebnissen des Rundganges geschehen werde und welche Aussichten man habe, an der aufgefundenen Situation konkret etwas zu ändern. Neben der Antwort, dass die erfassten Laternen-Defekte an den Betreiber Vattenfall gemeldet würden führte Hans-Georg Rennert aus, dass die Dokumentation der Situation und deren Weiterleitung an Entscheider in den Bezirksämtern schon einiges sei. Er verweist auf den ersten Kiezspaziergang, mit dessen Ergebnissen ähnlich verfahren worden sei, worauf sich auch konkrete Veränderungen im Kiez angeschlossen hätten. Ein Plädoyer für das zivilgesellschaftliche Engagement!

Im Laufe der Diskussion wurden auch noch weitere Themen angeschnitten, die sich nicht direkt auf Licht und Schatten im Kiez bezogen, sondern nur metaphorisch. Zunächst die Meldung des seit 13 Jahren im Kiez tätigen Kontaktbereichsbeamten der Polizei. In diesen 13 Jahren habe sich viel im Kiez verändert und dies zumeist zum Positiven. Wissend, dass viele Anwohner die Notrufnummer 110 scheuen, weißt er darauf hin, dass man Anzeigen auch über www.polizei.berlin.de loswerden könne. Und er ruft dazu auf, diese Möglichkeit gerade hinsichtlich der illegalen Sperrmüllentsorgung auf Gehsteigen und Grünflächen ohne falsche Skrupel zu nutzen. Ein weiteres Thema war der Rosa-Park-Platz am U-Bahn-Eingang Amrumer Straße. Die Fläche auf dem breiten Trottoir an der Ecke Föhrer/Torfstraße sei vor etlichen Jahren nach der amerikanischen Bürgerrechtlerin benannt worden. Damals gab es wohl die Zusage, dort auch eine Gedenktafel für Rosa Park anzubringen, was bis heute nicht erfolgt ist. Deshalb die Bitte, hier einmal nachzufragen. Außerdem ging es noch um die Frage, was man gegen leer stehende Wohnhäuser wie beispielsweise in der Burgsdorfstraße neben dem PrimeTime-Theater oder in der Fehmarner Straße unternehmen könne. Von einer Vertreterin des Frauenbeirates Mitte kam die Anregung, solcherlei Objekte direkt an Bezirksrat von Dassel zu melden, der dann direkt eine Prüfung der Verhältnisse beauftragen würde. Weitere Themen waren die riesige Wasserpfütze am nördlichen Ende des Sparrplatzes, die bei entsprechendem Wetter zu einer Schlittschuhbahn würde sowie die Unmöglichkeit, als Radfahrer die Fennstraße zu überqueren. Viele Menschen, viele Themen.

Mit freundlichen Worten entlässt Hans-Georg Rennert schließlich die Anwesenden in die beginnende Nacht. Angst, dass sie den Weg nicht finden, muss er nach diesem Abend nicht haben.

Text und Fotos: Johannes Hayner
 
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