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Über'n Tellerrand: Spannende Finissage in der Buttmannstraße
Am Samstag endet die Ausstellung des Projektes Wedding65-Jugendkultur in der Buttmannstraße 16, die deshalb so besonders ist, weil sie das Selbstbewußtsein der Kids zeigt, über die derzeit in endlosen Integrationsdebatten gefachsimpelt wird.
Die vierzehnjährige Sidney präsentiert stolz die gemeinschaftlich hergestellten Bilder. Eines davon zeigt drei überlebensgroß abgebildete Mädchen. „Die eine mit Kopftuch, die nächste im Punkstil und die dritte ganz normal eben," sagt Sidney. Selbstbewusst läuft ihre Schwester Monica durch die Galerie. Auch sie hat an den Bildern mitgemalt und hätte gerne ihre Kuscheltiere in die zeltähnlichen Skulpturen eingefügt, „aber die sind zu groß", sagt sie, „da habe ich es gelassen."
Impressionen von der Vernissage am 5.11.
Die drei großen Räume in der Buttmannstraße 16 sind zwischenzeitlich voll mit Besuchern, die sich Fotografien, Malereien und Skulpturen von den Kindern und Jugendlichen aus dem Wedding anschauen. „In dieser gesammelten Vielfalt und Menge ist das einmalig hier im Bezirk", sagt Susanne Schulze Jungheim, die vor einiger Zeit beim Spielmobil mitarbeitete. Sie kennt die beteiligten Organisationen Mädea Stiftung SPI, teeny Musik treff und Gangway e.V. Zusammen hatten sie sich im letzten Jahr für einen Kurswechsel bei der Sparpolitik der Regierung eingesetzt.
Gegen die Vorurteile Kinder und Jugendliche aus den sogenannten „sozialen Brennpunkten" können nichts, sie schaffen keinen Schulabschluss und möchten sich nicht integrieren, richtet sich Ursula Bachor in der Eröffnungsansprache zur Vernissage. Sie leitet die Einrichtung „Mädea“, deren MitarbeiterInnen im Bereich der Jugendkultur- und Bildungsarbeit tätig sind. „Wir können das alles überhaupt nicht mehr hören" sagt Ursula Bachor. „ Wir machen ganz andere Erfahrungen ..und das sehen nicht nur wir so, sondern auch alle anderen, die wir kennen."
Als die drei Sänger der Hip-Hop-Gruppe ICMB in ihrem Song „Raus in die Welt" für die Liebe werben, werden sie von ihren Verehrerinnen stürmisch gefeiert.
"Wir haben hart angepackt", berichtet der Hip-Hopper Mustafa Achid kurz vor seinem Auftritt. Mustafa wohnt im Wedding und ist Mitglied in einer Gruppe von zwölf Jugendlichen, die sich für den Aufbau eines Tonstudios in der Buttmannstraße 16 engagieren. „Die erste öffentliche Vorstellung ihres Traumprojekts vor Bürgern und Politikern hatten die Jugendlichen vor zwei Jahren, bei einem open space, hier im Soldiner Kiez“, erinnert sich Vinzenz Fengler, der die Gruppe zusammenbrachte und betreute. „Seitdem sind sie eisern drangeblieben. Mittlerweile unterstützen sie andere Jugendliche mit Workshops an den Schulen der Umgebung." Zusammen mit der Jugendhilfeeinrichtung Gangway e.V. werden sie in den jetzigen Galerieräumen neben dem Tonstudio auch nachbarschaftliche Hilfen und Bürgerberatungen anbieten.
„Jetzt wird unser Traum bald in Erfüllung gehen und das wird in Zukunft unser zweites Leben sein", sagt Mustafa. Im Laufe der Zeit haben sich die Texte der Hip-Hop-Gruppe verändert. „Das war auch schon - so eine Art Deal", sagt Vinzenz Fengler etwas zögerlich. Waren die Songs früher von gewalttätigen Inhalten geprägt, so fordern sie jetzt in ihren Texten dazu auf, sich die Welt zu erobern, teilzunehmen und natürlich .... sich zu verlieben.
Finissage 27. November ab 17 Uhr
Gezeigt werden auch die Ergebnisse der Ausstellungsbegleitenden Workshops:
Dancing Queen, Trommeln und Rap, Rappen für Respekt - Toleranz und Vielfalt!
Buttmannstraße 16, 13357 Berlin, U-Pankstraße
Das Projekt wurde im Rahmen der Umsetzung des Bundesprogramms "Vielfalt tut gut" im Bezirk Mitte von Berlin gefördert, einem Programm des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.







