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Montag, 27.10.2008

Sprengelwochen eröffneten mit originellem Schattentheater und Familienfrühstück

Schattentheater
Taxifahrer Yakub und Neuankömmling Karagöz - eine Odyssee durch Berlin beginnt. Foto: A. Wispler

Mit dem originellen Schattenspiel „Taxifahrer Yakup als Seelsorger - oder Karagöz auf Arbeitssuche“, einer politischen Satire nach dem traditionellen, türkischen Schattenspiel „Karagöz und Hacivat“ wurden die SprengelWochen eröffnet.

Den Rahmen bildete ein buntes Familienfrühstück mit sehr leckerem Essen und kulturellen Einlagen im SprengelHaus. Die Mitwirkenden erhielten als Dankeschön eine Freikarte für das PrimeTimeTheater.

Hinter der Bühne
Gedränge hinter der Bühne: Viele Helfer sind nötig.

Ganze Familien sind eingebunden in die Schattentheater-Aufführungen des Kiezprojektes von Lioba Reckfort und Filiz Akin. Rund neun Menschen, darunter auch Sultan Bayram und Familie, Yakup Yavuzyigit und Fatma Ciftci, alles Mitglieder des Quartiersrates, drängten sich hinter der Kulisse.

Dort wurden nicht nur die Schattenfiguren bewegt, sondern auch die Texte gesprochen und die Geräusche eingespielt. Die schönen Stab-Figuren und dekorativen Kulissen wurden von den Frauen der Gruppe unter der künstlerischen Leitung von Filz Akin selbst gebaut. 

Stabfiguren
Die selbst gemachten Stabfiguren werden von mehreren Spieler/innen bewegt.

Das Theaterstück „Yakup als Seelsorger oder Karagöz auf Arbeitssuche“ greift auf die Tradition von „Karagöz und Hacivat“ zurück (s.u.) und versetzt das Geschehen nach Berlin in den Weddinger Sprengelkiez.

Der liebe, nette Taxifahrer Yakup lernt gerade die ältere Dame, Frau Sorge kennen, die ihm noch so einiges bescheren wird, als Karagöz aus der Türkei am Flughafen Tegel sein Taxi besteigt. Karagöz hat gehört, in Deutschland liegt das Gold auf der Straße. Doch kaum in Berlin angekommen, möchte der Taxifahrer Yakup ihn direkt wieder zurückschicken, denn er sei 20 Jahre zu spät. Eine Berliner Odyssee beginnt.

Schattentheater-Team
Viel Applaus für das Schattentheater-Team.

Das Stück wurde von Kiezbewohnern mit türkischem kulturellem Hintergrund unter der Leitung von Lioba Reckfort geschrieben. Es sind ihre Perspektiven auf die heutige Situation in Deutschland, ihre Geschichten, ihr Witz, der zum Tragen kommt. Gestaltet und entworfen wurden die Schattenfiguren und das Bühnenbild unter der Leitung der türkischen Künstlerin Filiz Akin.

Im Juni 2008 war offiziell Premiere und schon auf der Projektmesse am 12. Juni konnte man die Geschichte vom Taxifahrer Yakup als Seelsorger oder Karagöz auf Arbeitssuche verfolgen.

Türkisches Schattentheater „Karagöz und Hacivat“

Schattentheater
Karagöz beim Jobcenter: "Sie sind 20 Jahre zu spät!"

Seit dem 16. Jahrhundert war das türkische Schattentheater im Osmanischen Reich weit verbreitet. Im Mittelalter kam es in die Türkei, wo es als Karagöztheater heute noch während des Ramadan Tradition hat. Es entwickelte sich in kürzester Zeit zu einer vollkommen selbstständigen türkischen Kunstart.
Die Geschichten über Karagöz und Hacivat spielen in Istanbul. Karagöz - immer arbeitslos, immer hungrig - erlebt so manches Abenteuer mit den dort lebenden Menschen: Gepäckträgern, Geldverleihern, Parkwächtern, Schneidern und natürlich auch mit seinem Freund Hacivat, einem verarmten Studierten. Dessen Schlagfertigkeit machen die politische Satire zu einem lustigen Ereignis.

Willy Achter, Lioba Reckfort und Sultan Bayram eröffnen die SprengelWochen.

Die Legende besagt: Zu Zeiten des Sultans Orhan (1326-1359) wurde in Bursa eine Moschee gebaut. Aber mit dem Bau ging es nicht so recht vorwärts, weil zwei der Arbeiter - der eine Maurer, der andere Schmied - den ganzen Tag Witze rissen und Possen trieben. Satt zu arbeiten, hörten die Arbeiter den beiden zu und amüsierten sich prächtig dabei. Der Sultan aber ergrimmte und ließ den beiden Spaßvögeln die Köpfe abschneiden. Später erfüllte ihn seine Tat mit Reue. Um ihn zu trösten, baute einer seiner Vertrauten – Seyh Küsteri – eine Schattenbühne und ließ die beiden Hingerichteten als Schattenfiguren hinter dem Schirm für den Sultan auftreten. So entstand – nach dieser Legende – das türkische Schattenspiel, das auch Seyh Küsteri meydane (der Platz von Seyh Küsteri) heißt, weil dieser als sein Erfinder gilt.

Text und Fotos: Anne Wispler