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Donnerstag, 20.02.2014

Schöner neuer Platz

Informationsveranstaltung zur Neugestaltung des Rathausplatzes Wedding am 13. Februar

Der Walther-Rathenau-Saal im alten Rathaus Wedding
Interessierte schauen sich die Entwürfe an
Diese Schautafel zeigt das Projektgebiet des Aktiven Zentrums Müllerstraße
Stephan Lange eröffnet die Veranstaltung
Sofia Petersson von Annabau
Die Veranstaltung hatte ein interessiertes Publikum
Eine Zeichnung zeigt die Aufsicht auf den neuen Platz
Petersson erläutert ihren Entwurf

Der Rathausplatz an der Müllerstraße bietet im Moment ein nicht gerade einladendes Bild. Belag, Bepflanzungen und Gestaltung atmen die Aura vergangener Zeiten ohne Nostalgie. Eine verwinkelte, zu Teilen schlecht oder gar nicht einsehbare Struktur (die auch entsprechend genutzt wird), unterschiedliche Niveaus und wenig Transparenz kennzeichnen den Platz heute, der wegen Bauarbeiten an angrenzenden Gebäuden teilweise gesperrt ist. Bereits 2012 erkannte das Bezirksamt Mitte hier einen Handlungsbedarf und lobte einen Wettbewerb zur Neugestaltung aus, in dessen Vorfeld sich Anwohner über einen Workshop in die Ausschreibung einbringen konnten. Für die komplette Neugestaltung der 1,5 Hektar großen Freiflächen rund um den Büroturm stehen 2,1 Millionen Euro aus dem Städtebauförderprogramm "Aktive Stadtzentren" zur Verfügung.

Den Wettbewerb gewann im Juni 2013 das Büro Annabau Architektur und Landschaft GmbH mit einem Entwurf der Architektin Sofia Petersson. Vereinbart wurde mit der Vergabe, dass sich die Gestalter mit Anwohnern und Interessierten regelmäßig austauschen, um den Planungsprozess nachvollziehbar zu machen. Aus diesem Grund fand nun am 13. Februar um 19.00 Uhr eine Infoveranstaltung statt, bei der Bezirksamt und Architektin Rede und Antwort standen.

Bereits um 18 Uhr wurden die Türen des Walther-Rathenau-Saales im alten Rathaus geöffnet, in dem die Entwürfe aushingen. In dieser Stunde bis zum Beginn der Veranstaltung nutzten viele Menschen diese Möglichkeit, sahen sich die Schautafeln mit Konstruktionsplänen, Animationen und Straßenansichten zur Neugestaltung des Platzes an und diskutierten mit Nachbarn die Entwürfe.

Die Veranstaltung wird pünktlich um 19.00 Uhr von Stephan Lange aus der Bezirksverwaltung für Stadtentwicklung eröffnet, der gleich als erstes herzliche Grüße vom Bezirksstadtrat Carsten Spallek bestellt. Er wird ihn an diesem Abend vertreten und bittet das Auditorium um Verständnis, dass Spallek nicht jede der zahlreichen Abendveranstaltungen wahrnehmen könne, zumal er noch kleine Kinder hat. Circa 50 Anwohner aus allen Altersgruppen (selbst zwei Babys sind dabei) sind gekommen, um sich ein Bild vom zukünftigen Rathausplatz zu machen.

In seinem Anfangsvortrag bezeichnet Lange die Schiller-Bibliothek als „Leitinvestition“ für den zentralen Stadtraum im Wedding. Die Bibliothek soll 2015 fertig gestellt werden. Am Rathausturm sei inzwischen die Altlastensanierung abgeschlossen, der Umbau hat begonnen. Vermutlich im ersten Halbjahr 2015 wird das Jobcenter dort einziehen. Damit wird sich die Frequenz am Platz deutlich erhöhen.

Weiter formuliert Lange als Erwartung an die Neugestaltung, dass die Studenten der Beuth-Hochschule in Zukunft vom U-Bahnhof Leopoldplatz über den Rathausplatz gehen, anstatt sich wie heute durch die engen Bürgersteige der Luxemburger Straße zu drängeln. Und dazu hat er die Hoffnung, dass vom Rathausplatz Impulse für die weitere Entwicklung der Müllerstraße ausgehen. In seiner Überleitung zur nächsten Rednerin, der Architektin, bezeichnet Lange den Entwurf als „toll“, äußert aber auch die Erwartung des Bezirksamtes, dass Annabau mit den eingesetzten Mitteln sorgsam umgehen solle.

Nun ergreift die Architektin Sofia Petersson das Wort, um ihren Entwurf vorzustellen. Als grundsätzliches Element ihres Konzeptes bezeichnete Petersson die Durchlässigkeit zwischen Müller- und Genter Straße. Auf dem Platz entstünden Inseln mit klaren Funktionen und Charakteren wie z.B. der Lesegarten. Die Aufgabe dieser Inseln bestehe darin, dem Platz Struktur zu geben und Orientierung zu ermöglichen. Jede Sache habe nun ihren Platz. Darüber hinaus schafft die offene, transparente Atmosphäre eine gestiegene soziale Kontrolle auf dem Rathausplatz, der heute mit seinen Nischen und abgetrennten Bereichen viel Gelegenheit für verstecktes Tun biete.

Mit dem aktuellen Entwurf entsteht laut Petersson nun eine durchgängige Fläche mit viel Licht, viel Durchblick und guten Orientierungsmöglichkeiten. Auch die Niveauunterschiede, die heute durch Terrassierung existieren, werden nivelliert. Um die Baumgruppe aus drei Pappeln, die erhalten bleibt, wird eine Sitzbank gebaut. Der Lesegarten an der Bibliothek richtet sich geradezu an Jugendliche, dort zu verweilen. Dazu könnte auch kostenloses WLAN beitragen sowie natürlich die vielen Sitzmöglichkeiten. In Richtung Genter Straße wird es eine Liegewiese geben, die durch zwei sich kreuzende Wege strukturiert ist. Idealer Pausenplatz für die Studenten der Beuth-Hochschule. Ein Baumhain mit Café-Möbeln bietet im Sommer die Möglichkeit für die Kantinenbetreiber, Plätze im Freien anzubieten.

Nun ging es in die Diskussion. Zahlreiche Wortmeldungen zeigten, dass es starkes Interesse an den Entwürfen in der Bevölkerung gibt. Erste Frage war, wie alt denn die im Baumhain gepflanzten Bäume seien. Zum Alter konnte die Architektin nichts sagen, sie kennt nur den Umfang der Bäume von ca. 20 bis 25 cm. Nun schloss sich eine etwas skurrile Diskussion zweier Besucher an, wie sich aus dem Umfang der Bäume deren Alter errechnen würde. Die Meinungen 1 cm je Jahr (also ca. 20 Jahre) und 8 Jahre prallten heftig aufeinander. Die Frage muss als ungeklärt ins Protokoll aufgenommen werden, da Stephan Lange sie als unerheblich für den Veranstaltungszweck beiseite schob.

Nächste Frage: Was ist wirklich neu am Entwurf, was sind grundlegende Veränderungen? Antwort Petersson: Neu auf dem Rathausplatz ist vor allem der erhöhte Anteil an Grünflächen. Ansonsten wurden vor allem Detailfragen im Entwurf behandelt wie Beläge, Beleuchtung, Orientierung und Niveaus.

Auf die Beläge zielte auch die nächste Frage an die Architektin, ob denn bei der Auswahl der Beläge die Belange von Behinderten berücksichtigt wären. Dies konnte Pettersson bejahen, da die Behindertenbeauftragte des Senats in die Entscheidungsfindung einbezogen war und die Gestaltung für gut befunden hat. Gerade Menschen, deren Sehkraft stark eingeschränkt ist, können sich auf dem Platz gut orientieren, da Wege und Inseln mit farbkontrastreichen Belägen eingefasst sind.

Eine weitere Frage betraf den Umfang der Parkplätze in der Genter Straße. Ein großer Teil dieser Parkplätze wird zu Grünflächen rückgebaut. Was genau in der Genter Straße geschieht, ist allerdings noch nicht entschieden, da die Gestaltung dieser Straße von den Ergebnissen der Ideenwettbewerbe für die Limburger Straße und den Zeppelinplatz abhängig gemacht wird. Ein Besucher wollte wissen, ob denn genügend Fahrradabstellmöglichkeiten eingeplant seien: Das ist so und zwar an der Müllerstraße, vor der Bibliothek und am Jobcenter.

Nächstes Thema: Der ehemalige BVV-Saal geht an das Jobcenter, die dort entgegen anderslautenden Horrormeldungen kein Lager einrichten werden, sondern einen öffentlichen Bereich. Ob dies nun Wartebereich oder Veranstaltungsbereich wird, war den Anwesenden nicht bekannt.

Weitere Frage: Wie wird das Café eingefasst, bleiben die heute dort stehenden Bäume erhalten? Am Café wird es keinen Zaun geben, sondern offene, durchlässige Strukturen. Hier schließt sich eine kontroverse Diskussion an über die Fähigkeit von Pflanzen, akustisch Lärmschutz zu bieten. Die Architektin bezeichnet dies schlichtweg als unmöglich, eine Anwohnerin hingegen schildert aufgebracht, dass erst die Bepflanzung einen Aufenthalt im Freien ermöglicht habe, da diese den Lärm der Müllerstraße schlucke. Auch hier stellt der Entwurf Transparenz und Offenheit in den Vordergrund, eine Baumumfriedung des Cafés wird es in Zukunft nicht mehr geben.

Schließlich beschwerte sich eine Besucherin über die fehlende akustische Unterstützung der Redner, was von den Veranstaltern umstandslos als Manko eingeräumt wurde.  Beim nächsten Mal wird sich darum gekümmert.

Auf diese nächste Veranstaltung können sich nun nicht nur diese Teilnehmerin sondern auch die Anwohner des Rathausplatzes freuen. Denn die Infoveranstaltung stellt zum einen deren Interesse unter Beweis, andererseits aber auch die Bereitschaft der Bezirksverwaltung, ihr Vorgehen offen und transparent zu gestalten und die Anwohner bis zur Fertigstellung einzubeziehen. So kann man den Prozess der Neugestaltung des Rathausplatzes durchaus als gelungenes Beispiel für Beteiligung nennen.

Johannes Hayner
 
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