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Freitag, 07.12.2007

Raul und Khaled - unsere neuen Kiezläufer

Eine wirklich schöne Geschichte über Migration und Männerfreundschaft

Kiezläufer
Raul Càceres Quenaya und Khaled El-Hossein.

Vielleicht ist der eine oder andere den beiden schon auf einem ihrer Streifzüge durch unseren Sprengelkiez begegnet oder hat sogar schon mit ihnen gesprochen? Raul und Khaled sind seit Mitte Oktober unsere neuen Kiezläufer und vom ersten Moment an wusste ich: „Hier sind ’se richtich“!

Kennen gelernt haben sie sich beim Beschäftigungsträger Schildkröte, was sich aber nicht zwangsläufig auf ihr Arbeitstempo auswirken sollte, denn mit Schwung und hochmotiviert gingen sie ans Werk, d. h. in diesem Fall natürlich auf die Straße. Als Kiezläufer werden sie gemeinsam daran arbeiten, den Anwohnern „ihres“ Weddings klarzumachen, dass sie mitverantwortlich sind für Umwelt und Sauberkeit. Außerdem wollen sie die gegenseitige Toleranz und das Aufeinanderzugehen fördern, denn das beste Beispiel, wie gut dieses gelingen kann, sind sie schließlich beide selbst.

Raul Càceres Quenaya

Beutelspender
Das Auffüllen der Beutelspender ist auch Sache der Kiezläufer.

wurde 1957 in Lima, der Hauptstadt Perus geboren. Von klein auf war er sehr wissbegierig und neugierig auf das Leben und wurde ein sehr guter Schüler. Mit 19 Jahren erhielt er ein Stipendium der Universität Leningrad im heutigen St. Petersburg. So machte er sich auf in die damalige Sowjetunion. Elektroingenieur wollte er gern werden und tatsächlich, das ersehnte Diplom hielt er 1983 in den Händen. Bereits drei Jahre vorher konnte er schon etwas Anderes in den Händen halten: seine kleine Tochter Guiselle, entstanden in der Ehe mit Inegui, seiner ersten großen Liebe.

Auf der Suche nach qualifizierter Arbeit machte Raul sich abermals auf in ein anderes Leben, zunächst alleine. In Westberlin fand er einen Job in einer Elektrofirma. Bald war die Familie wieder vereint und hatte ihr Zuhause im Wedding. Und wie das so oft ist mit der großen Liebe, sie verflüchtigt sich auf seltsame Weise. Zum Glück blieb den beiden eine herzliche, noch heute bestehende Freundschaft. Und das ist auch gut so, sind sie doch inzwischen schon Oma und Opa!

Nach der Scheidung entschloss sich Raul zu einem Berufswechsel. Er bildete sich im sozial-pädagogischen sowie pflegerischen Bereich weiter und arbeitete u.a. beim Deutschen Roten Kreuz als Jugendbetreuer, im Altenheim als Krankenpfleger, bei der Berliner Stadtmission und zuletzt in der KITA Malplaquetstraße. Bei der Ausübung all dieser Tätigkeiten war es unglaublich hilfreich, dass Raul zehn Sprachen spricht (sieben fast perfekt). So kann er hier im Wedding fast jeden Mitbürger in seiner Sprache ansprechen.

Und wenn Sie, liebe MitbürgerInnen, unterwegs sind, ist es durchaus möglich, dass Sie Raul auf einem der Berliner Plätze in einer Gruppe fröhlicher, musizierender Menschen, antreffen. Er spielt dann auf der Panflöte oder schlägt die Trommel, denn Musik ist seine liebste Freizeitbeschäftigung.

Khaled El-Hossein

Kiezläufer
An ihren Westen sind sie zu erkennen: diese Herren sorgen für Ordnung und Sauberkeit!

wurde 1971 in Beirut, der Hauptstadt Libanons geboren. 1986 musste seine Familie aus der Heimat flüchten und lebte dann in Freiburg im Breisgau, wo Khaled nach einem Jahr intensiven Lernens der deutschen Sprache und einem anschließenden Schuljahr seinen Hauptschulabschluss erhielt. Zu einer Ausbildung konnte er sich nicht entschließen, er wollte lieber gleich „richtig“ arbeiten und fing in einem gutbürgerlichen deutschen Restaurant als Küchenhelfer an. Die Arbeit machte ihm viel Freude und innerhalb kürzester Zeit konnte er bereits als Hilfskoch die Kochlöffel schwingen.

1989, bei einem Berlin-Besuch, traf er seine große Liebe. Nach vielen bürokratischen Hindernissen wurde 1991 geheiratet und eine Wohnung im Wedding bezogen.1992 wurden sie Eltern von gleich zwei prächtigen Jungs und 1996 begrüßte die Familie dann ein kleines Mädchen in ihrem Kreis. Damit Khaled auch mal am Wochenende und abends Zeit mit seiner Familie verbringen konnte, wurden Topf und Pfanne nur noch zuhause auf den Herd gestellt, und er entschloss sich, als Baustellengehilfe zu arbeiten. Die Krise im Berliner Bauhandwerk zwang ihn dann erneut zu einer beruflichen Umorientierung. Das Arbeitsamt wollte ihn gern zum Altenpfleger umschulen, doch im Gegensatz zu Raul ist diese Arbeit wirklich gar nichts für ihn. Seine liebste Freizeitbeschäftigung ist, neben seiner Familie, der Sport. Khaled können Sie in den Parks und Erholungsflächen unserer Stadt antreffen, entweder laufend oder bei seinen Übungen, die der Kampfsportler dort absolviert, damit er fit und in Form bleibt.

Das Projekt „Kiezläufer“

Sperrmüll
Illegaler Sperrmüll wird an die BSR gemeldet. Manchmal kann man die Verursacher ermitteln…

Hier haben die Zwei sich „gesucht und gefunden“. Die gemeinsame Arbeit macht ihnen viel Freude und sie wollen unbedingt weiter als Team zusammen bleiben. Ihr Stützpunkt ist das QM-Büro, wo sie sich nach ihren langen Rundgängen mit heißem Tee aufwärmen und Meldung an die BSR oder das Straßen- und Grünflächenamt machen. Die Maßnahme wird übrigens vom Träger Schildkröte GmbH in Kooperation mit dem Bezirksamt, dem Jobcenter Mitte und Stadt & Hund seit Oktober 2005 durchgeführt und finanziert. Dazu gehören auch Schulungen in den Bereichen "Konstruktive Gesprächsführung", "Sicherheit und Deeskalation" sowie Recht.

Ach so, die Zwei wollen auch noch etwas sagen: „Wir sind sehr glücklich, in unserem Wedding, dem wir seit Jahren verbunden sind und den wir wie unsere Westentasche kennen, als Kiezläufer wirken zu können. Die Zusammenarbeit mit dem Team des QM ist einfach knorke, wie der Berliner zu sagen pflegt, und wir hoffen darauf, recht lange für Sie - und Sie - und Sie hier im Kiez unterwegs zu sein.“

(Carola Patalano unterstützt seit Juli 2007das QM-Büro und betreut hier die Besucher und die Kiezläufer.)

Text: Carola Patalano, Fotos: Anne Wispler
 
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