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Freitag, 03.12.2010

Mountain Music und Shaker Songs: Das Vokalensemble "Far Afield"

Auftritt in der Osterkirche. Foto: „Far Afield“

Wenn Sie den Film "Oh Brother, Where Art Thou" mit George Clooney kennen, dann erinnern Sie sich vielleicht auch an den wunderschönen Soundtrack mit viel traditioneller amerikanischer Musik. Immer samstags vormittags erklingen diese Lieder im Gemeinderaum der Osterkirche, denn dort trifft sich das Vokalensemble "Far Afield" zum Üben. Hier probt die Musikerin Irene Brockert mit teils deutschen, teils amerikanischen Sänger/innen Mountain Music, Hymns, Gospels und Shaker songs*) der einfachen, oft tief religiösen Menschen aus den ländlichen USA.

Schön und traurig zugleich sind diese Lieder, die von Entbehrungen und harter Arbeit handeln, und von der Hoffnung auf ein besseres Leben nach dem Tod. "I'll Fly Away", im Filmsoundtrack gesungen von Gillian Welch und Alison Krauss, ist einer dieser Ohrwürmer. Das Ensemble freut sich über jeden, der Lust hat zum Mitmachen, denn die Tradition der "American Sacred Harmony" ist offen und verlangt keine speziellen Gesangs- oder Notentalente. Der Spaß am gemeinsamen Singen steht hier im Vordergrund.

„Far Afield“ bedeutet so viel wie weit hinaus, und so soll der Gesang sein: Hier geht es nicht um Zurückhaltung oder akademisch poliertes Singen. Wenn der Ausdruck „aus vollem Herzen singen“ jemals Berechtigung hatte, dann hier. 2004 von Irene Brockert gegründet, spezialisierte sich die Gruppe auf das „Shape-Note-Singing“ aus dem Gesangbuch "The Sacred Harp", amerikanische geistliche Gesänge, Lieder des ländlichen Südens, außerdem Shaker songs und Volkslieder. Um auch Laien das Singen nach Noten zu erleichtern, entwickelte man die unterschiedliche geformten "shape notes". Wer den Film „Cold Mountain“ gesehen hat, sah auch Nicole Kidman und Jude Law beim Singen dieser shape notes.

Deutsch-russisch-amerikanische Wurzeln: Die Chorleiterin

Foto: Irene Brockert-Aristova

Die Chorleiterin und Klavierlehrerin Irene Brockert (www.Irina-Brockert-Aristova.com) hat deutsch-russisch-amerikanische Wurzeln und stammt aus einer musikalischen Familie. Ihre Eltern flohen vor Stalin nach Deutschland und emigrierten dann in die USA. Dem Kontakt zur dortigen russischen Diaspora ist es zu verdanken, dass Irene sich auch stark für die Pflege alter russischer Gesänge engagiert. Sie sammelte außerdem reiche Erfahrungen auf dem Gebiet der internationalen Folklore als Dirigentin, Musik-Arrangeurin, Instrumentalistin, Sängerin u. Tänzerin in Projekten mit russischen, amerikanischen, türkischen, persischen, armenischen, kurdischen, und deutschen Musikern.

1984 gründete sie das Ensemble „Perepjolotschki“, mit dem sie den Gesang und die Weisheit russischer Bäuerinnen bewahren und weiter geben möchte (www.Perepjolotschki.de). Seit 1998 unterrichtet sie russisch-orthodoxe Gesänge aus acht Jahrhunderten in der Osterkirche und gestaltet mit dem daraus hervorgegangenen Ensemble „Capella Russica“ Gottesdienste in Berliner Kirchen (www.CapellaRussica.de).

Kurz danach entdeckte die Musikerin die amerikanische Tradition des "Sacred Harp"-Gesangs, die ähnlich spirituell und kraftvoll ist. Und so wird seit 2004 mit dem Vokalensemble „Far Afield“ diese Tradition lebendig gehalten (www.berlinshapenote.de).

Gefragt wo ihre Heimat liegt, sagt sie: "Ich trage den Osten und den Westen im Herzen!". Irene Brockert ist also auch musikalisch in mehreren Welten zu Hause. "Das ist, glaube ich, die tiefgreifendste Eigenschaft des Volksgesangs überhaupt: In jedem Menschen die Stelle zu öffnen, wo wir alle gleich sind – nicht Russen, nicht Amerikaner – sondern einfach Menschen. Jede traditionelle Musik vermag das, wenn sie frei von Kitsch, von Stilisierung bleibt – authentisch bleibt. "

Sie sind herzlich eingeladen mitzusingen!

Die eigenartigen Shapenotes

Das Ensemble "Far Afield" probt immer samstags von 10:30 bis 13:00 Uhr. Das Ensemble „Capella Russica“ übt immer freitags, 19:30 Uhr (14-tägig). Im Mai und Juni konnten Besucher/innen der Gottesdienste in der Osterkirche Kostproben dieser mitreißenden Musik hören, aber auch in Zukunft werden „Far Afield“ und die "Capella Russica" hoffentlich noch oft auftreten, und vielleicht singen Sie dann einfach mit?

Osterkirche (Wedding), Gemeinderaum
Samoastraße 14, 13353 Berlin
U-Bhf. Amrumer Straße
Bus 147
Telefon (030) 453 26 71 oder 0174/785 74 60

Audios und Bilder unter: www.berlinshapenote.de

*) Die Musik der pazifistischen protestantischen Klostergemeinschaft der Shaker besteht seit dem 18. Jahrhundert aus inbrünstig vorgetragenen, mit Tanz verbundenen Liedern. Diese wurden von den Mitgliedern "komponiert" oder vielmehr in Offenbarungen empfangen und nicht nur im Gottesdienst, sondern zu allen Anlässen des Shaker-Lebens gesungen. Denn für die Shaker ist der Gesang eine der größten Gaben von Gott-Vater/Mutter.

Irena Brockert-Aristova, Anne Wispler
 
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