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Donnerstag, 17.12.2015

Mate-Zeremonie: Geschmackserlebnis der besonderen Art

Diesmal öffnete sich das Türchen des lebendigen Adventskalenders im Sprengbüro

Mate-Gefäß aus Ton
Siemen Dahlmann und Klaus Wolfermann bei der Verkostung
alternativ gibt es auch Apfelsaft
traditionelles Mate-Gefäß aus Holz
Krithika do Canto
Krithika erklärt die Welt des Mate-Tees
Die unterschiedlichen Sorten sehen auch unterschiedlich aus
Plaudern beim gemeinsamenTee

Es ist 1:26 Uhr. Ich wälze mich herum und kann einfach nicht schlafen. Also entschließe ich mich, mich nicht weiter zu quälen und die nun gewonnene Zeit produktiv zu nutzen. Ich beginne zu schreiben:

Vor einigen Stunden. Um genau zu sein um 16:30 war ich beim lebendigen Adventskalender im Sprengbüro in der Tegeler Straße. Für alle die ihn noch nicht kennen: Beim lebendigen Adventskalender öffnet sich an verschiedenen Orten in der Vorweihnachtszeit ein Türchen. Mal bei Familien zu Hause und mal bei Institutionen im Kiez. Dort gibt es dann Tee, Gebäck und geselliges Beisammensein. Weihnachtliche Stimmung vorprogrammiert. Die Idee dahinter: Menschen und Kulturen im Kiez zusammen zu bringen und sich auszutauschen.

Gestern, am 15. Dezember, öffnete sich also das Türchen im Sprengbüro. Das Sprengbüro ist das Abgeordnetenbüro der Piraten Partei des Berliner Wahlkreises Mitte 4. Seit Oktober 2014 sitzen sie nun im SprengelKiez.

Im Programm-Flyer des lebendigen Adventskalenders hieß es: Mate-Zeremonie mit Fabricio do Canto. Klingt Interessant. Ich mache mich auf den Weg. Im Sprengbüro angekommen sitzen schon einige bekannte Kiezgesichter in geselliger Runde. Jeder kennt die Mate-Brausen unserer Spätis und die Hersteller scheinen sich von Jahr zu Jahr zu vermehren. Mate-Brause ist jedoch keineswegs ein neumodisches Trend-Getränk, denn schon 1922 wurde in Deutschland Brause aus Mate hergestellt. Heute soll es jedoch nicht um die Brause, sondern den Ursprung, den weniger bekannten Mate-Tee gehen.

Nun kann es also losgehen, beschließt Krithika do Canto. Eine ganz in grün gekleidete Frau mit offensichtlich indischen Wurzeln und einem bezaubernden englischen Akzent. Sehr verwirrend erst einmal, denn alle im Raum fragen sich zunächst das gleiche: „Kommt Mate nicht eigentlich aus Südamerika?“ Diese Frau ist offensichtlich nicht Fabricio de Canto. „Na da haben wir aber Glück“, sagt Siemen Dallmann „sonst hätten wir heute nicht die Mate-Prinzessin hier.“ Und da hat er, wie ich finde, durchaus Recht. Zusammen mit Fabricio betreibt Krithika den Laden "Meta Mate Berlin" im Prenzlauer Berg. Fabricio ist zur Zeit auf einer Farm in Brasilien, deshalb übernimmt sie heute die Mate-Zeremonie. Mate kommt also doch aus Südamerika.

Während Krithika mit uns redet, bereitet sie verschiedene Gefäße mit Mate-Tee vor. Sie zeigt uns die verschiedenen Sorten. Es gibt gröbere, fein gemahlene, geröstete und auch geräucherte Mate. Somit ist, wie wir feststellten, auch geschmacklich eine verblüffende Vielfalt vorhanden. Als sie fertig ist mit der Vorbereitung wird der erste Becher herumgereicht. In Südamerika ist es Tradition, seinen Gästen eine Mate anzubieten. Der Gastgeber bereitet diese vor und gibt sie nach rechts weiter. Das Austrinken und beim letzten Schluck zu schlürfen ist hier ausdrücklich erwünscht. Tut man dies nicht, könnte es womöglich als unhöflich interpretiert werden. Nun wird der Becher vom Gast selbst mit heißem Wasser aufgefüllt und zum Nächsten nach rechts weitergereicht. Es wird aus einem Trinkhalm getrunken, welcher nicht angefasst werden sollte. Die Mate ist am Rand des Bechers angehäuft. Am unteren Ende des Trinkhalms befindet sich ein Sieb, bringt man also den Halm in Bewegung könnte die gesamte Mate abrutschen und der Tee würde bitter werden und Sieb und Halm verstopfen. Es soll mit jedem Aufguss nur ein klein wenig mehr der Mate hineinrutschen. Wir probieren uns also reihum durch die verschiedenen Mate-Sorten. Einige stellen schnell fest, dass es nicht so ihr Fall ist. Mate ist einfach zu bitter oder fehlt da nur der Zucker? Krithika verrät uns, dass Frauen in Südamerika ihren Tee heimlich in der Küche süßen, dies jedoch niemals in der Öffentlichkeit tun würden. Klaus Wolfermann empfindet den Geschmack einer Mate-Variante sogar als fischig. Ob es nun an seiner Aussage liegt, kann ich nicht sagen, doch auch für mich hat eine Sorte etwas von Fischkutter. Siemen Dallmann ist hell auf begeistert: „Diese fischige Mate muss ich unbedingt auch noch probieren! Ich, als alter Fischkopp!“ Bei einer anderen Mate wiederum, sagt er, kämen Kindheitserinnerungen an feuchte Heuböden auf. Siemen lässt sich mitreißen von den heutigen Geschmackserlebnissen. Am Ende hat dann auch jede und jeder die am Besten zu seinem Geschmack passende Mate gefunden.

Während der Zeremonie erzählt uns Krithika einige interessante Fakten über die Verbreitung und Rituale von Mate. Es wird zum Beispiel so lange getrunken bis der Gast „Danke" sagt und der Gastgeber muss immer mittrinken. Das heißt, wenn nach und nach Gäste kommen, kann er nicht aufhören bis auch der letzte genug hat. Außerdem wurde das Getränk auch als teuflisch bezeichnet, gerade von westlichen Einwanderern in Südamerika. Deshalb gibt es bei einigen Ureinwohnern den Brauch, den ersten Schluck über die rechte Schulter wieder auszuspucken.

Im Sortiment von Krithika und Fabricios Laden gibt es auch Mate-Tees, die in ihrem Herkunftsland für illegal erklärt sind. Es ist Tradition, dass Familien ihre eigene, ganz individuelle Mate herstellen. Diese darf von ihnen jedoch nicht verkauft werden, da sie dafür die rechtlichen Grundlagen nicht erfüllen können. Krithika und Fabricio konnten die rechtlichen Voraussetzungen in Deutschland einholen und sind nun berechtigt, den Tee kleiner Familien hier zu verkaufen.

Mit ihren Erzählungen sorgt Krithika immer wieder für Gesprächs- und Diskussionsanstöße in der Runde. Zusammen wird sich über die Herkunft von Pflanzen und deren Verbreitung sowie über Rituale und Gebräuche unterschiedlicher Kulturen ausgetauscht. Von der Reise des Gummibaumes über den Brauch des Essens überreifer Birnen bis hin zu dem unerklärlichen Wachstum von Karotten im Vorgarten des Sprengbüros.

Nach einem aufschlussreichen und geschmacksintensiven Abend mache ich mich auf den Heimweg. Ich habe das Gefühl, durch den Tee eine unglaubliche Energie bekommen zu haben. Und er ist wahrscheinlich auch Grund für diese schlaflose Nacht. Obwohl mir Krithika versicherte, dass die uns bekannte Mate-Brause wesentlich mehr Koffein enthält.

Der lebendige Adventskalender wird aus dem Aktionsfonds/Programm Soziale Stadt finanziert.

 

Text/Fotos: Anna Lindner

 
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