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Montag, 11.07.2016

Kleinteiliges Großevent

Unterwegs bei der 2. Langen Nacht im Sprengelkiez

die 2. lange Nacht beginnt...
Yogaia Berlin!
Mate im Sprengbüro
Püppchen in der Zwischenstation
Karaoke-Party im Studentenwohnheim
Kuchen und...
Orgel-Konzert in der Osterkirche
Milchmeergalerie
Kunstgarten
und Kater

Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da, sondern auch zum Schauen. Jedenfalls gilt dies für die zugegeben etwas früh beginnende 2. Lange Nacht im Sprengelkiez am 17. Juni, denn kurz vor Mittsommer fühlt sich 17 Uhr wie 14 Uhr im Winter an. Andererseits: Die Helligkeit erleichtert das Schauen, und darum geht es ja bei der Langen Nacht. Und wer so richtig gut in die Nacht starten will, dem kommt ein sanfter Einstieg im Hellen auch entgegen. So konnten Interessierte sich vor Beginn der Veranstaltung bei einem Medizincheck versichern, ob sie den Strapazen des Events physisch gewachsen sind. Oder man konnte sich um 18:30 Uhr im Café Strudelka mental mit fünf Goethe-Gedichten für den Abend stärken. Wer Kinder hat, konnte mit ihnen noch schnell zu EIKITA gehen, wo sich die Kleinen bei Kinderkurzfilmen auf die abendliche Kinderbetreuung eingrooven konnten… Mehr als 20 solcher Angebote aus der Nachbarschaft erstreckten sich vom frühen Abend bis weit in die Dunkelheit der Wedding-Nacht.

Wie schon im letzten Jahr öffneten zu dieser 2. Langen Nacht im Sprengelkiez lokale Institutionen, Projekte und Initiativen ihre Schatzkammern und präsentierten ihre Arbeit. All dies ehrenamtlich, wofür ihnen Dank zusteht. Und ohne Eintritt, was die Attraktivität der Veranstaltung noch erhöhte. Viele Menschen aus dem Kiez nutzten die Gelegenheit, zwischen 17 und 24 Uhr einmal bei Nachbar*innen auf dem Teppich zu stehen. Und auch wir waren mit ihnen unterwegs und haben zu vier verschiedenen thematischen Blöcken von uns zufällig ausgewählte Veranstaltungen besucht. Auf unserer Tour trafen wir durchweg auf neugierige, gut gelaunte, kommunikative Menschen. Los geht's!

 

Gesundheit und Wellness

Mit einem Lächeln im Gesicht heißt uns Norbert Macia von Medizin Mobil Nord willkommen. Nicht nur eine Blutdruckmessung, sondern auch ein Makula-Test (Makula ist eine Erkrankung der Netzhaut, bei der Betroffene in der Mitte des Blickfeldes z.B. einen schwarzen oder unscharfen Fleck sehen) können wir sofort kostenlos durchführen - glücklicherweise beides im grünen Bereich. Medizin Mobil Nord ist eine mobile Kranken- und Altenpflege für Leute im Kiez, die aufgrund ihrer Krankheit den Alltag alleine nicht mehr bewältigen können. Herr Macia ist gut gelaunt und freut sich über jede*n, der ihn heute besucht. Gesund und ein Stück schlauer geht es weiter.

Schuhe aus und rein ins Yogaia Berlin! Familiär-locker ist die Stimmung unter den Yoga-Interessierten, zumal es heute etwas zu essen gibt. Die kleine Küche ist ständig voll mit Leuten, die hier angeregte Unterhaltungen führen und vegetarische Leckereien genießen. Mit vollem oder leerem Bauch probieren sich frisch ernannte oder routinierte Yogist*innen an verschiedenen Übungen im von Kerzen erhellten Yogaraum.

 

Nachbarschaft

Mit einem lockeren Reim lädt das Sprengbüro zur offenen Diskussionsrunde eim – Entschuldigung: ein. Es dreht sich hauptsächlich ums Thema Politik. Alle sind willkommen, die Sitzplätze sind fast alle belegt mit Personen aus verschiedenen Parteien, die diskutierend beieinander sitzen. Selbst gemachte Schokoladen und mannigfaltige Arten von Matetee fördern die kommunikative Atmosphäre. Als wir vorbeischauen, wird grade eine frische Ladung Schokoladenerdbeeren serviert. Lecker!

Als eine der letzten öffentlichen Veranstaltungen vor Schließung des ‚Sprengbüro' ist die Lange Nacht sozusagen auch eine Art öffentliches Adieu, erklärt uns Johannes Lindenau, der hier als Mitarbeiter des Abgeordneten Heiko Herberg regelmäßig gearbeitet hat. Da der Piraten-Politiker Herberg nicht wieder zur Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus antritt, muss das Büro schließen. Mit ihm verliert der Kiez einen interessanten Anlauf- und Treffpunkt, der wirklich überparteilich und offen ist. In Eile verlassen wir den selbst gemachten Kakao und sagen Ciao - aber vorerst nur zu den Gästen des Sprengbüros.

Die hell erleuchtete Zwischenstation in der Torfstraße 22 in der mittlerweile schon dunklen Straße ist pickepackevoll mit Menschen. Das Gedränge reicht bis raus auf die Straße. Der Duft von leckerem Essen, Musik, Gelächter und das typische Gesprächsbrummen größerer Menschenansammlungen kommen einem entgegen, sobald man die Tür öffnet. Noch immer stehen lauter Schüsseln, Teller und Tabletts voller Essen auf dem Tisch. Menschen unterschiedlicher Abstammung und jeden Alters haben gerade gemeinsam Fastenbrechen gefeiert – beziehungsweise feiern es immer noch. Viele Jugendliche standen den ganzen Tag in der Küche und bereiteten Speisen aus ihrem Heimatland für den Abend zu. Die Leiterin der Zwischenstation, Reka Hergenröther, ist merklich stolz auf ihre „Schützlinge“. Auch Kollege Kristian Ringel freut sich, dass so viele Menschen gekommen sind. Trotz Widerrede drückt uns ein charmanter junger Mann sofort einen Teller in die Hand. Gehen durften wir erst, als dieser leer war. Dabei fielen uns im hell erleuchteten Schaufenster die vielen bunten Püppchen auf, die vor dem Essen von Müttern und Kindern aus der Nachbarschaft gebastelt wurden. Mit ihrem bunten Erscheinungsbild stehen sie dafür, dass jeder Mensch individuell und hier willkommen ist. Das haben wir auch gespürt.

 

Bildung, Kinder und Jugend

Nanu - nichts los in der Lynar? Ziemlich leer empfangen uns die Räume des Jugendzentrums. Als wir um die Ecke zur Terrasse schauen, wissen wir warum: Im Garten wird gegrillt und gegessen. Wir werden direkt eingeladen und nehmen gern ein Würstchen. Gute Stimmung. Für Fußball-Fans wird im Gemeinschaftsraum die Partie Tschechien gegen Kroatien live übertragen, aber eigentlich fiebern schon alle auf die Begegnung der Türken mit den Spaniern hin, die 21 Uhr beginnt. So lange können wir nicht warten und lassen die zumeist jugendlichen Gäste an Kickertisch, Tischtennisplatte, Beamer oder Grill zurück.

22 Uhr ist wohl noch zu früh für 'Groove on the Roof‘. Denn noch sind nur wenige Gäste da. Trotzdem ist die Stimmung im Studentenwohnheim am Augustenburger Platz super. Gelächter und laute Stimmen hallen durch die Gänge, als wir in den bunt mit Girlanden geschmückten Raum treten. Ein Buffet mit Snacks und Getränken, eine große Leinwand, die bereits fleißig von Karaoke Singenden genutzt wird, und einige Bänke laden dazu ein, mit zu feiern und den Lieblingssong mit eigener Stimme vorzustellen. Die Party wurde von den Studierenden komplett selbst vorbereitet. Später wird es hier noch voller sein, versichert uns einer der Studenten und lädt uns ein, wiederzukommen. Die gute Laune hier macht es wirklich schwer, sich zu verabschieden.

 

Kultur

Weit geöffnete Türen empfangen die Gäste der Osterkirche. Nacheinander trudeln die in der Nachbarschaft Lebenden ein. Eine Spendenbox für die Kinderkrebshilfe liefert den permanenten Sound von hinein fallendem Kleingeld - manchmal hört man auch nichts, dann könnte es ein Schein gewesen sein. Bald sind auch die zusätzlichen Stuhlreihen vor der Orgel gut gefüllt. Das nun beginnende Konzert von Joachim Thoms ist bunt gemischt wie das Publikum. Von Jazz über die weltbekannte Harry-Potter-Musik bis hin zur Rockhymne „The Final Countdown“ und Eigenkompositionen reicht das Programm dieses Orgelkonzertes der erfrischenden Art. Die Zuhörenden bleiben bis zur letzten Minute mit Vergnügen sitzen, auch wenn viele von ihnen normalerweise keine Fans der Orgel sind. Nach dem Konzert treffen sich die Gäste am Buffet. Essen, Getränke und lockere Gespräche machen die ohnehin schon gute Stimmung noch ein bisschen besser.

Ein mit Kerzen beleuchteter Weg führt durch den wild bewachsenen Künstlergarten in das Atelier Uwe Bressem. Auf dem Weg dorthin kann man sich an bunten Bildern und Kunstwerken verschiedener Größe erquicken, die im Garten präsentiert werden. Menschen alt und jung bevölkern Garten und Atelier, begeistert schreiben viele kostenlose Kunst-Postkarten mit Grüßen von der Langen Nacht an der Kunstpoststation. Oder sie ruhen sich eine Weile auf der Gartenbank aus und betrachten die vielen Bilder. Viele Mütter mit Kindern aus einem nahe gelegenen Kindergarten sind da. Die Hauptattraktion für die Kinder ist der Kater des Nachbarn, der meist dösend den ganzen Abend tapfer die Stellung hält.

Schon von außen fällt die bunt gestaltete Milchmeer-Galerie auf. Wenn man sie betritt, gerät man in eine Art andere Welt aus Farben, Formen und Skulpturen. Schon vor der Tür und im kleinen Vorraum stehen Leute, trinken und quatschen. Im Inneren erstreckt sich ein skurriler Mix aus Bildern, Skulpturen und Collagen aller Farben, Art und Größe, der uns an jeder Ecke etwas Neues entdecken lässt. In einem mit Schwarzlicht geflutetem Raum leuchten uns knallige Skulpturen aus Strohhalmen oder neonfarbene Pilze entgegen. Eine komplette Band trotzt der räumlichen Enge mit zornigem Garagenrock, dem die Menschen kopfwippend folgen.

Der Preis für zu langes Musik hören: Wir kommen leider zu spät ins Studio_Berten, denn die Lesung ist bereits vorbei. Die Leute sind trotzdem noch da. Unerwartet viel Publikum soll heute Abend gekommen sein, auch zusätzliche Stühle und Bänke garantierten in dem brechend vollen Raum nicht allen einen Sitzplatz. Menschen aus neun verschiedenen Nationen hat Veranstalterin Brunhilde Wehinger gezählt. Rückblende: Gefesselt hört das Publikum der Lesung der Autorin Y Sa Lo zu. Dazu passend improvisiert Einkö Ginzery auf dem Cimbalon, einem Instrument aus dem südlichen Ostmitteleuropa. Gut zwei Stunden dauerte das Programm. Brunhilde Wehinger konnte gar nicht aufhören, über den gelungenen Abend zu schwärmen. 

Hier endet nun unser Rundgang über dieses kleinteilige Großevent im Sprengelkiez. Mehr als 20 Angebote folgten der Einladung des Teams vom Quartiersmanagement Sparrplatz, das im letzten Jahr die Lange Nacht aus der Taufe hob. Zufrieden über die erste Wiederholung zeigt sich Quartiersmanagerin Magdalene Loda: "Ich habe mich im Vorfeld sehr über das ehrenamtliche Engagement aller Akteur*innen gefreut, das wieder zum Gelingen der Langen Nacht geführt hat. Es war ein lebendiger und abwechslungsreicher Abend, an dem ich neue Menschen kennenlernen und bekannte Gesichter wiedersehen konnte, neues dazu gelernt habe und ausprobieren durfte".

Danach war die Nacht nun wirklich nur noch zum Schlafen da: Wir sanken zufrieden in die Kissen und träumten von der 3. Langen Nacht im Sprengelkiez 2017.

 

Text/ Fotos: Svenja Bressem und Sophie Rothbarth

 
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