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Donnerstag, 13.01.2011

Jetzt erst recht? Preis Soziale Stadt 2010 verliehen

Die Preiträger vom "Internationalen Suppenfest" in Marburg, ganz links Oda Scheibelhuber. Foto: Anne Wispler

Oda Scheibelhuber hat es nicht leicht. Die Leiterin der Abteilung "Stadtentwicklung, Raumordnung und Wohnen" im Bundesbauministerium sollte gestern erklären, wie es in Zukunft mit der "Sozialen Stadt" weitergehen soll. Denn bei der Preisverleihung "Soziale Stadt 2010" wurden viele Projekte ausgezeichnet, die so in Zukunft gar nicht mehr förderfähig sind. Weil bei ihnen integrative Maßnahmen neben reinen Baumaßnahmen im Mittelpunkt stehen. So werden die Bewohner in die Planungen einbezogen und Jugendliche erhalten Ausbildungsplätze, wie bei dem Projekt "Voliére" in der High-Deck-Siedlung. Oder es werden Paten für Kinder von Suchtkranken vermittelt, wie im Quartier Wassertorplatz. Und das wollten die Bundestagsabgeordneten nicht mehr finanzieren.

Frau Scheibelhuber bedankt sich bei den Preisträgern für ihr Engagement. Sie sagt auch, dass keiner Zweifel daran hat, dass Integration im Quartier wichtig sei. Sie bedankt sich sogar für die breite Unterstützungswelle für das Programm. So sei es gelungen, die Kürzungen zu verringern. Dass gerade die sozialen Aspekte des Programms "Soziale Stadt" von der Bundesregierung weggekürzt wurden, ist bei so einer Preisverleihung ja eigentlich ein Grund zu lautem Protest. Doch der regt sich nicht.

Das Projekt "Vergissmeinnicht" aus dem Quartier Kreuberg-Wassertorplatz vermittelt Paten für Kinder von Drogenabhängigen. Foto: Anne Wispler

Man nimmt der Ministeriumsvertreterin ab, dass ihr die Entwicklung selbst nicht gefällt. Sie findet, es müsse unbedingt eine neue Diskussion über die Ausrichtung der Städtebauförderung geführt werden.

Es wäre schön, wenn sich dann die Entscheider anhand der preisgekrönten Projekte aus dem Programm "Soziale Stadt" ein Bild davon machen, wie wichtig gerade der verbindende Ansatz von Bildungs-, Sozial- und Baumaßnahmen ist, wenn man den über 500 benachteiligten Stadtteilen in ganz Deutschland eine Zukunft geben will.

Die Auslober erwarten, dass das Wettbewerbsergebnis dazu beiträgt, insbesondere die Verantwortlichen im Bund dazu zu bewegen, diesen erfolgreichen Politikansatz in den nächsten Jahren mit einer den Problemen in den Städten und Stadtteilen angemessenen Mittelausstattung fortzuführen. Sie haben deshalb das "Bündnis für eine Soziale Stadt gegründet. Mehr dazu unter: http://sozialestadt2011.wordpress.com/2011/01/13/bundnis-fur-eine-soziale-stadt-gegrundet/ 

Mehr infos über die Berliner Preisträger auf dem Dachportal:

http://www.quartiersmanagement-berlin.de/4066.0.html 

Die ausgezeichneten Projekte belegen eindrucksvoll, welch großen Nutzen es bringt, baulich-investive und soziale Maßnahmen miteinander zu verknüpfen. Durch die vom Bund für das Jahr 2011 beschlossenen Kürzungen wird diese Verknüpfung künftig kaum mehr möglich sein.

Der Wettbewerb ist eine Gemeinschaftsinitiative unterschiedlicher Einrichtungen. Träger sind der AWO Bundesverband, der Deutsche Städtetag, der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, die GBG Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft, die Schader-Stiftung und der vhw Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung. Er wurde unterstützt durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). 

Mehr Infos zum Wettbewerb und zur Preisverleihung demnächst auch unter:

www.vhw.de

Anne Wispler