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Dienstag, 16.09.2008

Interview mit Sultan Bayram

Sultan Bayram
Sultan Bayram während des Kiezerzähler-Projektes. Foto: KiezDetektive, Angela Bochum

In einem Interview schilderte uns Sultan Bayram, Quartiersrätin und sehr aktive Quartiersbewohnerin, ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Ramadan. Wir danken Frau Bayram sehr herzlich für das spannende Gespräch!

 
QM: Sultan, seit wann fastest du schon?

SB: Eigentlich schon seit ich zurück denken kann, spätestens seit meiner Jugend, so mit 15 oder 16 Jahren.

QM: Welche Bedeutung hat es für dich zu fasten?

SB: Es hat verschiedene Arten der Bedeutung, die entscheidene ist für mich, dass es einen befriedigt die auferlegte Pflicht zu erfüllen. Gott hat es mir zur Pflicht gemacht und ich will zeigen, dass ich es schaffe. Es ist Muslimen geboten während des Ramadan zu fasten, egal was einem entgegen kommt; nur wenn es der Gesundheit schadet, sollte man es lassen.

QM: Welche angenehmen Aspekte hat das Fasten?

SB: Während des Ramadan geht man noch mal vertiefter in sich und denkt über sein Leben nach – was hab' ich bis jetzt Gutes getan für meine Familie, meine Umgebung, was hat es gebracht, und auch: was kann ich noch machen? So lange mir Gott die Kraft dazu gibt, möchte ich gern noch mehr machen, überall dort anpacken können, wo Menschen Hilfe benötigen.

QM: Gab es eine Zeit in der du nicht gefastet hast & warum nicht?

SB: Ja, in der Schwangerschaft und auch wenn ich in Schichten gearbeitet habe, habe ich nicht gefastet. Wenn man nicht fastet, muss man das abbezahlen, mit Geld oder indem man es zu einer anderen Zeit nachholt – alleine ist das aber sehr schwer.

QM: Fällt es dir schwer zu fasten? Was fällt am schwersten? Welche Durchhaltetricks gibt es?

SB: Am Anfang, der erste Tag war sehr schwer, aber nach zwei bis drei Tagen hat sich das gelegt. Jetzt denke ich überhaupt nicht mehr dran. Die erste Woche fällt vielen Menschen schwer, da denkt man, 30 Tage sind lang – wie sollen die vorbei gehen?

Doch man spürt, dass Gott einen nicht alleine lässt. Außerdem ist man ja den ganzen Tag beschäftigt, abgelenkt und denkt nicht so an essen.

QM: Fastet deine ganze Familie?

SB: Ja, alle, außer meine jüngste Tochter. Mein Sohn fastet, außer wenn er Fußball spielt und seine Freundin, eine Deutsche, fastet übrigens auch.

QM: Frühstückt ihr gemeinsam vor Sonnenaufgang?

SB: Ja, ich stehe so um 4 Uhr auf, dann habe ich knapp 45 min. Ich hole die Frühstückssachen raus, vor allem leichte Dinge wie Aufschnitt mit Körnerbrot – das hält gut vor. Ei zum Beispiel hab ich seit 2 wochen nicht gegessen – das dauert einfach zu lange. Dazu gibt’s Saft und Wasser, Tee koche ich nicht extra. Dann geht’s wieder ins Bett. Am Vormittag, so gegen 10 oder 11 Uhr, bekommt man dann das erste Mal Hunger - man muss schon fest dran glauben um dabei zu bleiben!

QM: Was gibt es zum allabendlichen Fastenbrechen?

SB: Man sollte mit einer Dattel beginnen, das hat unser Prophet Mohammed gemacht. Es bedeutet, dass man sich zuerst den Mund versüßen soll, um zu Genuss zu kommen und es soll ein innerliches Glücksgefühl geben. Man kann auch mit einem Glas Wasser beginnen, das signalisiert Reinheit und Sauberkeit. Außerdem gehört ein spezielles Gebet dazu – dass man Gott dankt, weil man es ohne ihn nicht schaffen würde.

QM: Welche anderen Besonderheiten werden während des Ramadan praktiziert?

SB: Es gibt jeden Tag in der Moschee ein spezielles Gebet, gemeinsam mit dem Imam. Außerdem soll man, wenn man isst, nicht verschwenderisch sein und an die Menschen denken, die nichts haben. Sparsam zu kochen und zu essen wird angestrebt.

Man merkt, dass es ein besonderer Monat ist, zum Beispiel durch das auf das Essen warten. So erhält das Essen einen anderen Stellenwert. Man nimmt sich mehr Zeit, bereitet alles sorgfältig und von Herzen vor, und wenn man Freunde eingeladen hat, macht es doppelt Spaß. Das kommt vor allem am Wochenende vor, da wird das Fastenbrechen stärker zelebriert, alle helfen mit und man spürt eine Fürsorge untereinander stärker.

Jeden Sonntag Abend gibt es übrigens zur Zeit des Fastenbrechens im SprengelHaus ein gemeinsames Essen!

QM: Am 30. September ist Zuckerfest – wie begeht ihr dieses Fest? Gibt es ein Fest hier im Sprengelkiez?

SB: Unser Frauentee feiert am 6. Oktober gemeinsam Zuckerfest, da sind alle aus dem Kiez eingeladen.

Offiziell ist am 30. September Zuckerfest; da gibt es alles in süß: viel Gebäck und Bonbons. Zuerst besucht man die Eltern oder Großeltern – dort trifft sich die ganze Familie, und anschließend besuche ich meine anderen Verwandten.

Besonders wichtig ist, dass man während dieser 3 Tage nicht fasten darf!

Ich möchte noch sagen, dass ich gern während meiner Kindheit das Fasten in der Türkei erlebt hätte. Ich bin mit 7 Jahren nach Berlin gekommen und kenne die Geschichten aus der Türkei nur noch vom Erzählen. Der Ramadan muss damals für die Kinder in der Türkei sehr besonders und wertvoll gewesen sein: Da bekam man neue Sachen, Kleidung oder was man sonst benötigte. Und gleich am ersten Tag des Zuckerfestes sind die Kinder mit Tüten losgerannt, um Süßigkeiten bei den Nachbarn zu sammeln – es muss ein großes Erlebnis für die Kinder gewesen sein! Auch heute bekommen die Kinder Geschenke, aber es hat inzwischen eine andere Bedeutung. Meistens haben sie ja bereits alles, was sie brauchen.

QM: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Interview: E. Schönrock
 
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