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Montag, 01.08.2011

Infos und Ausstellung zum Grundeinkommens-Projekt in Namibia

Grundeinkommen in Otjivero-Omitara
Die Teilnehmenden in Otjivero-Omitara freuen sich über ihr "Startkapital". Foto: Dirk Haarmann

Über das weltweit bekannt gewordene Grundeinkommens-Projekt in Namibia informiert die Fotoausstellung "Otjivero-Omitara: Dorf der Zukunft!" im Afrika Medien Zentrum. Zur Eröffnung am 11. 8. 2011 um 18.30 Uhr gibt es Infos und eine Diskussion über das Pilotprojekt Otjivero-Omitara und die Idee des Grundeinkommens. An der Eröffnung nehmen teil: Dr. Eberhard Löschcke, Gemeindedienst für Mission und Ökumene, Remscheid sowie Ulrich Buchholz und Günter Pohl von der Bonner Initiative Grundeinkommen.

Ein kleines Projekt im afrikanischen Dorf Otjivero-Omitara erregt seit 2008 Aufsehen. Zwei Jahre lang erhielten alle 930 EinwohnerInnen unter 60 jeden Monat ein bedingungsloses Grundeinkommen von 100 Namibischen Dollar (NAD). Umgerechnet sind das ca. 10 Euro. Nicht viel, aber dieser Unterschied hat die Menschen, das Dorf verändert.

Namibia – ein reiches Land mit großer Armut

Namibia ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland. Von 1884 bis 1915 war es deutsche Kolonie. In dieser Zeit wurden die Völker der Herero, Nama und andere Gruppen getötet, vertrieben und unterdrückt. Im Anschluss an die Kolonialzeit wurde Namibia von Südafrika besetzt und ist seit 1990 unabhängig. Kolonialzeit und Apartheid haben ihre Spuren hinterlassen: Namibia ist eines der reichsten Länder Afrikas, doch die Kluft zwischen Arm und Reich ist weltweit eine der größten.

Das Pilotprojekt

Eine namibische Regierungskommission schlug 2002 ein steuerfinanziertes Grundeinkommen vor. Eine breite Koalition bildete sich Ende 2004: Kirchen, Gewerkschaften, Nichtregierungs-Organisationen, Aids-Hilfe-Organisationen. Ziel war es, zusammen mit der Regierung das BIG = Basic Income Grant in Namibia einzuführen.

Mit einem Pilotprojekt im Dorf Otjivero-Omitara sollte die politische Debatte vorangebracht und die Auswirkungen sollten dokumentiert werden. Finanziell wurde es von verschiedenen kirchlichen Organisationen und Kreisen, Institutionen, Aktionsgruppen, Einzelpersonen in Namibia und in anderen Ländern unterstützt.

Grundeinkommen in Namibia und anderswo

Die BIG-Koalition zieht nach Auswertung des Projektes den Schluss: Ein landesweites Grundeinkommen wird für die meisten Menschen in Namibia Armut und Arbeitslosigkeit verringern, unternehmerische Aktivitäten und Produktivität erhöhen, Bildung und Gesundheit verbessern. „Es ist nur eine Frage des politischen Willens.“

Das Grundeinkommen ist kein Akt der Wohltätigkeit und das Konzept verzichtet auf alle Bedingungen und auf alle Sanktionen. Das Grundeinkommen soll jedem Menschen Sicherheit geben, seine Würde stärken, seine Abhängigkeiten verringern und die Möglichkeit geben, selbst zu entscheiden, an der Gesellschaft teilzuhaben und mitzugestalten. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es zahlreiche Initiativen und Menschen, die sich für die Einführung eines Grundeinkommens engagieren.

Die Bonner Initiative Grundeinkommen hat 2010 über das Pilotprojekt in Otjivero-Omitara und seine Auswirkungen eine Foto-Ausstellung erstellt. Diese wurde durch den Ausschuss für Internationales und Wissenschaft der Stadt Bonn gefördert. Seit Anfang des Jahres ist sie auf Wanderschaft. Nach Stationen u.a. in Hamburg, Bremen und Nürnberg ist sie vom 11.- 31. August in Berlin im Afrika-Medienzentrum / LoNam-Verlag in der Torfstr. 12 zu sehen.

Weitere Informationen zum Projekt in Afrika und zum Grundeinkommen allgemein:

Ein aktueller Diskussionsbeitrag in der namibischen deutschsprachigen "Allgemeinen Zeitung"

www.bignam.org

www.grundeinkommen-bonn.de

www.archiv-grundeinkommen.de

Ulrich Buchholz, gekürzt und bearbeitet von A. Wispler