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Mittwoch, 14.12.2016

„Hinter diesen Türen findet man Menschen“

Beim lebendigen Adventskalender zu Besuch bei Offene Tür e. V.

Interessierte Kursteilnehmer*innen und Gäste
Zur Feier des Tages gibt es Stollen und andere Leckerein
Siemen Dallmann (Mitte)
Fröhlich gestimmt geht es an diesem Nachmittag zu
Und weil es so schön war, steht schon das nächstes Treffen vor der Tür

Es ist der 6. Dezember, und jedes Kind weiß, was das heißt. Die Stiefel, frisch geputzt, stehen säuberlich und gut sichtbar bereit, Platz für möglichst viele Leckereien zu bieten. Manchen ist vielleicht nicht ganz wohl bei der Vorstellung, dass bei Nacht ein bärtiger Mann sein Unwesen in den heimischen vier Wänden treibt. Aber das Resultat seiner nächtlichen Arbeit lässt am nächsten Morgen jedes Kind erstrahlen.

So selbstverständlich, wie dieser Brauch für uns Westeuropäer*innen ist, findet er in anderen Kulturen keinen Einzug. Siemen Dallmann möchte heute den Kursteilnehmer*innen seines Deutschkurses „Deutsch mit Lust und Laune“ diesen Brauch näher erläutern. Unterstützt wird er dabei zur Feier des Tages von Gästen, denn heute öffnet der „Bla Bla Deutschkurs“, wie er ironisch von seinen Teilnehmer*innen genannt wird, seine Tür für alle Interessierten im Rahmen des Lebendigen Adventskalenders im Sprengelkiez.

„Es gibt verschiedene Geschichten zum Nikolaus“, erzählt Dallmann. Der Nikolaus von Myra, Sohn reicher Eltern, soll seine Erbschaft den Bedürftigen gespendet haben. „Und der böse Gegenspiele des Nikolaus ist Knecht Ruprecht“, so Dallmann. Der freundliche Ostfriese wollte eigentlich nur mit Geflüchteten in Kontakt treten. Und dann zog die ehemalige Deutschlehrerin des Kurses aus dem Sprengelkiez weg, und Dallmann vertrat sie immer häufiger. „Ich bin ja sowieso am Dienstag immer im Nachbarschaftsladen, da ich das Mittagessen für 'Nachbarn kochen für Nachbarn' am Mittwoch vorbereite.“ Letztendlich übernahm Dallmann den Kurs Anfang dieses Jahres. Für jede Unterrichtsstunde bereitet er etwas vor – „mal ist es ein Zungenbrecher, mal ein Kochrezept oder ich recherchiere kleine Deutschübungen im Internet“, erzählt Dallmann. Hauptsächlich ginge es aber darum, miteinander zu reden. Der Kurs ist eine Ergänzung zu den gängigen Deutschkursen im Nachbarschaftsladen oder als Überbrückung, bis der eigentliche Deutschkurs startet, gedacht. 

Das mit dem Nikolaus haben nun alle verstanden. Aber was ist denn jetzt ein Adventskalender? Dallmann erklärt: „Und hier gibt es sehr viele Türen, die sich öffnen.“ Er geht auf die hell lackierte Holztür zu und öffnet sie: "Hinter diesen Türen findet man Menschen, und heute sind wir die Tür.“ 

Eine kurze, aber treffende Erklärung für einen Brauch, der nun schon zum 14. Mal im Sprengelkiez zelebriert wird. Bei diesem Event, das nicht nur in Deutschland sondern auch in Teilen von Österreich und der Schweiz veranstaltet wird, geht es darum, dass „Nachbarn Nachbarn kennenlernen“, erklärt Dallmann. An jedem Tag im Dezember öffnet mindestens eine Wohnung oder Institution im Kiez die Türen für alle Interessierten und bietet bis Heiligabend ihren Gästen ein vorweihnachtliches Programm.

Heute also hier im Nachbarschaftsladen, im „Bla Bla Deutschkurs“. Bei Kaktusfeige-Zimt-Tee, Stollen und Lebkuchenherzen hat sich ein international-Berliner Publikum zusammengefunden. Es entstehen angeregte Diskussionen über die korrekte Übersetzung von Kaktusfeige ins Arabisch, über Isaak, Jesus und das Wunder der Geburt beider Kinder.

Ali schaut sich das Treiben mit etwas Abstand an. Er thront in zweiter Reihe auf einem Tisch, da es mittlerweile ziemlich eng geworden ist und die Stuhlkapazitäten erreicht sind. Er komme nicht regelmäßig zu dem Deutschkurs, aber wenn es ihn vom Rande Berlins mal in den Nachbarschaftsladen verschlägt, ist er gerne dabei. „Hier sind Freunde“, sagt er.

Und das ist auch zu merken. Kindliche Prüfungsängste sind vergessen, denn Dallmann schafft eine Atmosphäre, bei der sich niemand schämen muss, einen Fehler zu machen. Im nächsten Jahr wolle man dann nicht nur Kochrezepte lesen, sondern sie auch mal ausprobieren, denn „Kochen macht mir Spaß, aber Essen noch mehr“, erzählt Dallmann unter allgemeinem Gelächter.

Der Deutschkurs findet jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr im Nachbarschaftsladen in der Sprengelstraße 15 statt.

Wer sich schon vorab von Dallmanns Kochkünsten überzeugen möchte, kann am 21.12. in den Nachbarschaftsladen zu „Nachbarn kochen für Nachbarn“ im Rahmen des lebendigen Adventskalender kommen.

Und noch eine Meldung: Der lebendige Adventskalender sucht Nachfolger! Das fünfzehnte Jahr wolle man noch voll machen, erzählt Dallmann, der zusammen mit Klaus Wolfermann die Organisation der Veranstaltungsreihe nun schon zum neunten Mal übernimmt. Nun sollen Jüngere ran. Die Nachfolger erwartet eine interessante Aufgabe. Man kann Kontakt zu den Nachbar*innen knüpfen und auch die wertvollen Karteikarten mit den Adressen aller in 15 Jahren beteiligten "Türen" werden weitergegeben. Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten, sowie das aktuelle Programm des Lebendigen Adventskalenders sind auf der Website www.lebendiger-adventskalender-online.de zu finden.

Schauen Sie vorbei. Es lohnt sich. Die schönen Momente und engagierten Menschen, die es zu entdecken gibt, machen vielleicht etwas von der Enttäuschung wieder gut, die man hatte, als der eigentliche Stiefelfüller entlarvt wurde.

 

Text & Fotos: Sophie Rothbarth

 
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