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Grußwort der GESOBAU zur Gebietskonferenz 10 Jahre QM Sparrplatz

Grußwort aus Anlass der Podiumsdiskussion "Zehn Jahre Quartiersmanagement Sparrplatz"
Sehr geehrte Frau Staatssekretärin Dunger-Löper,
sehr geehrte Frau Kast, sehr geehrte Quartiersräte und Stadtteilakteure,
sehr geehrte Damen und Herren,
ich darf Ihnen heute auf diesem Wege die besten Grüße und Glückwünsche der GESOBAU aus Anlass Ihrer Gebietskonferenz und zum 10jährigen Jubiläum des QMs Sparrplatz übermitteln und Ihnen allen einen guten Veranstaltungsverlauf wünschen. Wir bedanken uns für Ihre Einladung. Leider können wir heute aus terminlichen Gründen nicht persönlich anwesend sein, daher komme ich dem Wunsch von Frau Kast nach einem kurzen schriftlichen Resümee "10 Jahre QM am Sparrplatz" gerne nach.
Rund 40.000 Wohnungen nennt die GESOBAU in Berlin ihr Eigen, mehr als 100.000 Menschen finden bei uns ein Dach über dem Kopf - Wohnraum, Service, Sicherheit. Damit das auch in Zukunft so bleibt, investieren wir ebenso in zukunftsfähige Standards wie in das Miteinander. Die Wohnungswirtschaft in ihren unterschiedlichen Unternehmensformen sieht sich seit einigen Jahren strukturellen Veränderungen des Wohnungsmarktes, zunehmender Fluktuation, soziokulturellen Differenzen ihrer Mieterschaft und deren wachsender Abhängigkeit von Transfereinkommen ausgesetzt - bei gleichzeitigem Rückgang öffentlicher Ressourcen. Vor diesem Hintergrund ist sie gefordert, in die komplexen Aufgaben der Quartiersentwicklung zu investieren, um funktionierende Stadtteile zu erhalten bzw. schon belastete Gebiete zu unterstützen. Dabei muss und kann sie sich verschiedener Instrumente und Partner bedienen – und ist ihrerseits als wichtiger Partner der Stadtentwicklung gefragt. Eigene Sozialmanager und Kooperationen mit lokalen, regionalen und kommunalen Akteuren helfen, die wechselseitigen Zusammenhänge wirtschaftlicher und sozialer Handlungsfelder planvoll zu gestalten, Stadtteilentwicklungsprojekte zu initiieren und zu realisieren.
Ein unabdingbares Instrument zur Quartiersentwicklung stellt hierbei das Förderprogramm "Soziale Stadt" dar. Stadtteilbezogene Themen und Prozesse, Partizipation und das Nachhaltigkeitsprinzip, Wünsche und Anregungen aus der Bewohnerschaft werden methodisch zusammengeführt, moderiert, gefördert und umgesetzt. Stadtentwicklung vollzieht sich hier auf lokaler Ebene, unter gleichzeitiger Einbeziehung aller wichtigen Akteure und ist damit nachvollziehbar und erlebbar. Dabei müssen Konflikte, Kritik, Erfolge und auch Rückschläge ausgehalten werden, müssen vielfältige Kompetenzen zusammengeführt bzw. entdeckt, müssen Mitmacher motiviert und Selbstdarsteller auch mal ausgebremst und Legitimationsdruck diskutiert werden. Auch die Fördermittelgeber erwarten Erfolge und den Nachweis sinnstiftender Projekte und Prozesse in der Stadtlandschaft.
Das alles sind Aufgaben eines QM-Teams, welches sich auf seine Managementfunktion besinnen muss, denn die Bewohnerinnen und Bewohner sollen "ermächtigt" werden, sich ihrer Belange und der Belange ihres Stadtteils anzunehmen, und sie sollen ihren Gestaltungswillen erproben. Auch das ist mitunter nicht einfach. Vor dem Hintergrund begrenzter Ressourcen und Förderzeiträume müssen Entwicklungsfelder im Quartier interdisziplinär und integrativ organisiert, Mittel, Wege und Partner gefunden werden, um die angestoßenen Prozesse auch bei Rückschlägen fortführen zu können. Dann müssen Akteure ermutigt werden, weiter "am Ball zu bleiben" und engagiert für ihre Interessen zu kämpfen. Eine Menge Arbeit für alle Beteiligten.
Wir konnten in den vergangenen Jahren genau verfolgen, welche wichtige Rolle das Quartiersmanagement Sparrplatz eingenommen hat, welche kleinen und großen Projekte umgesetzt werden konnten - und wie viel Engagement, Kraft, Courage, Humor und good will dazu nötig waren. Daher an dieser Stelle ein besonderes Dankeschön, gerichtet an Sie, liebe Frau Kast und an Sie, sehr geehrte Quartiersräte.

Ein Fazit von 10 Jahren QM Sparrplatz sollte kritisch reflektiert beginnen und mit einem positiven Ausblick enden: Eine funktionierende Infrastruktur vor Ort trägt entscheidend dazu bei, dass Menschen sich zuhause fühlen können. Was könnte uns als Wohnungsunternehmen denn besseres passieren, als Mieterinnen und Mieter, die sich wohl fühlen in ihrer Nachbarschaft, die sich identifizieren mit ihrem Wohnumfeld und sich entsprechend verhalten und darüber hinaus wie selbstverständlich engagieren. Leider wissen wir, dass der Rückzug ins Private nicht abnimmt und die Haltung vieler Menschen gegenüber ihren Nachbarn oder ihrem "Kiez" von Zurückhaltung, zuweilen auch Ablehnung geprägt ist. Um diesem Trend entgegenzuwirken bedarf es vielfältiger lokaler Ansätze und der Schaffung nachhaltiger Strukturen, die sich nur selten von alleine entwickeln. Menschen, die in Nachbarschaften gut miteinander leben, sind viel glücklicher – das ergaben aktuelle Studien. Die positive Folgeerscheinung: Weniger Vandalismus, Kriminalität, mehr soziale Kontrolle und bessere Integrationschancen. Aber wie kann es funktionieren? Mit der Implementierung des Quartiersmanagements Sparrplatz begann vor einigen Jahren die beispielhafte Umsetzung des Programms "Soziale Stadt" in einem problematischen Stadtquartier und damit die Abkehr vom "Weg von" (hier) zum "Hin zu" (den Nachbarn, dem Miteinander, dem Kiez) und Wir-Gefühl.
Auch wenn vielleicht alles noch viel besser hätte sein können oder müssen nach einer Dekade der finanziellen, organisatorischen und personellen Förderung - ja, möglicherweise wäre da der eine oder andere Fehlschlag zu verzeichnen, aber auch dieser ist einzubetten in einen Gesamtkontext von Entwicklungen und Einflussfaktoren (Arbeitsmarkt, Bildungssektor, usw.) und kann nicht losgelöst betrachtet werden. Und daher lassen Sie es uns vor allem positiv sehen: Sie haben einen guten Job gemacht! Viele wichtige Impulse wurden gegeben, beachtenswerte Teilprozesse sind gelungen: Stadtteilgruppen haben sich gebildet und Bewohnerinnen und Bewohner erklären sich in stärkerem Maße bereit, sich zu engagieren. Mit den nötigen Feinabstimmungen und Moderationsprozessen trug und trägt das Quartiersmanagement wesentlich zu diesem Erfolg bei! Man hört in der Stadt Berlin von den Leuten am Sparrplatz!!! Sie – die Akteure vor Ort, reklamieren ihr Recht auf Mitwirkung und Mitentscheidung und nehmen es selbstbewusst wahr. Die Mischung aus wohlverstandenem Eigeninteresse und sozialer Verantwortung ist dabei eine ihrer dynamischen Triebfedern. Wider einen allgemein verbreiteten Pessimismus, der den Zerfall solidarischer Nachbarschaftsstrukturen beklagt, stellt es sich heraus, dass die gemeinsamen Aktivitäten zum neuen Lebenszusammenhang für die Bewohner werden, die sich im kollektiven Gedächtnis verhaften und eine neue generationenübergreifende Bezogenheit zueinander herstellen.
Als Wohnungsunternehmen sind wir gefordert, nicht nur bestandsbezogene Aufgaben zu übernehmen; wir gestalten öffentlichen Raum, die soziale Infrastruktur und beteiligen uns an den quartiersbezogenen Prozessen in unseren Beständen aktiv. Gute Partnerschaften vor Ort stellen dabei eine sich gegenseitig befruchtende Zusammenarbeit dar, die wir gern eingehen. So geschehen im vergangenen Jahr, als wir die ehreamtlichen Mediatoren der Konfliktagentur im SprengelHaus kennenlernen durften. Schnell war uns klar, hier gibt es eine Stadtteilgruppe am Sparrplatz, die ohne weitere Unterstützung Gefahr läuft, inaktiv zu werden. Wir haben zusammen eine gute Lösung für das Projekt, den Sparrplatz und die GESOBAU gefunden, von der wir zukünftig alle profitieren werden.
In der vergangenen Woche eröffnete in der Sparrstraße 19 die Konfliktagentur im Beisein vieler Bewohner, des QMs und einiger Quartiersräte.
Wir meinen, dass dies ein guter Einstieg für die weitere Zusammenarbeit in den kommenden Jahren ist. Und es spricht einiges dafür, diese Zusammenarbeit zu intensivieren: mit, von und für das Quartier rund um den Sparrplatz, dessen kulturelle Vielfalt und interessanter Altbaubestand als das Zukunftspotenzial des Stadtteils zu sehen sind. Und in dem es vor allem die sozialen und wirtschaftlichen Handlungsfelder weiter zu entwickeln und zu verzahnen gilt, denn gerade hier werden sich längerfristig - direkt und indirekt - die Veränderungen auf das Wohnumfeld und das Zusammenleben der Menschen auswirken und abbilden lassen.
Wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen und wünschen Ihnen für den Verlauf Ihrer Podiumsdiskussion sowie die anstehenden Quartiersratswahlen viel Erfolg! Für den heutigen Abend Ihnen allen einen engagierten Gruß aus dem Märkischen Viertel!
Herzlichst!






