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Donnerstag, 21.07.2016

Geburtstag mit Freunden

Begrüßungsbanner vor der Kirche
Viele Nachbarn*innen sind zum Fest gekommen
Mirko Kormannshaus begrüßt Bürgermeister Dr. Hanke
Die Kirche ist gut gefüllt
Dr. Christian Hanke bei seiner kurzen Ansprache
Zuhörer*innen und -schauer*innen
Mirko Kormannshaus führte durch den offiziellen Teil
Peter, Doha und Boschra erzählen über ihre Zeit mit WIR GESTALTEN e.V.
Mario Kossmann überbrachte Glückwünsche der Gemeinde
Das Geschenktuch wird gelüftet
Nach den ganzen Reden konnten sich die Kinder ein T-Shirt mitnehmen

Jubiläumsfest "10 Jahre WIR GESTALTEN e.V."

Füreinander da sein. Sich engagieren. Die christliche Religion nicht nur als spirituelles Rüstzeug betrachten, sondern ganz praktisch als Handlungshilfe für den Alltag. Über Grenzen gehen. Dem Nächsten beistehen. Grassroot-Politik betreiben. Vieles davon und sicher noch viel mehr steckt in der Entscheidung von Mitgliedern der Weddinger Baptistengemeinde, im Juli 2006 einen Verein zu gründen, der sich in der Nachbarschaft engagiert. Der Verein heißt, bewusst doppeldeutig, "WIR GESTALTEN e.V.".

Müllerstraße 14a. Versteckt hinter Falafel Dream 2010, Arbeitsamt und Parkplatz verbirgt sich ein wundervoller Ort zum Lernen, Spielen und Beisammensein: die Baptistenkirche. Am Samstag, dem 9. Juli lädt WIR GESTALTEN hierher ein, gemeinsam den Weddinger Sommer zu feiern. Und vor allem natürlich sind die Weddinger heute hier, um das 10jährige Jubiläum des Vereins zu feiern. Denn in diesen 10 Jahren ist WIR GESTALTEN e.V. eine echte Kiezgröße geworden, engagiert sich vor allem für die Integration von Kindern mit Migrationsgeschichte, Chancengleichheit für alle im Kiez, ein Entwicklungshilfeprojekt in Kenia und seit neuestem auch für die Integration der nach Deutschland Geflüchteten. Das stärkste Plus in der Vereinsarbeit ist, dass es WIR GESTALTEN e.V. gelang, viele ehrenamtliche Mitstreiter*innen zu finden. Gemeinsam mit diesen Menschen organisiert der Verein 1:1 Kiezpatenschaften, Flüchtlingspatenschaften, das Familiencafé, Hausaufgabenhilfen und das Engagement für Uzimatele, den kenianischen Verein, der Kinder und Jugendliche unterstützt. Inzwischen gibt es 24 Lernpatenschaften und 15 Flüchtlingspatenschaften. Die ehrenamtlich Aktiven treffen sich mindestens einmal pro Woche mit ihren Schützlingen. Und so kommt der Verein auf die imponierende Zahl von gut 100 Ehrenamtsstunden pro Woche.

Ein großes Banner mit dem Aufdruck "10 Jahre WIR GESTALTEN e.V." nimmt die Besucher*innen des Jubiläumsfests über der Einfahrt in Empfang. Gleich daneben befindet sich ein Stand, an dem alle Besucher*innen ein Namensschild bekommen. Auf dessen Rückseite befindet sich eine kleine Aufgabensammlung, in der pars pro toto das Erfolgsgeheimnis von WIR GESTALTEN e.V. enthalten ist. Wer die Aufgaben erfolgreich lösen will, sollte neugierig sein, offen, unvoreingenommen, bereit sein, auch etwas von sich selber preiszugeben und seinen Gesprächspartner*innen auf Augenhöhe begegnen. Vor allem muss man ins Gespräch kommen, das ist das Wichtigste. Nur so wird es gelingen, die Aufträge zu erfüllen. Diese sind:

  • Lerne deinen Namen auf Arabisch schreiben!
  • Suche eine Person, die du bisher nicht kennst, zum gemeinsamen Dosenwurfduell
  • Frage einen dir unbekannten Menschen nach seinem Lieblingsessen und welche Zutaten es beinhaltet.
  • Mache ein Erinnerungsfoto mit einer neuen Bekanntschaft an der Fotostation!
  • Frage einige Gäste nach ihren Lieblingsorten im Kiez!
  • Verewige dich mit deinem Namenskunstwerk auf dem großen Banner an der Kirchenwand!
  • Was sind die beliebtesten islamischen und christlichen Feste?

Mit diesen Langeweile-Killern gut versorgt begeben sich die Gäste auf das Fest, das zu großen Teilen auf dem Vorplatz der Kirche stattfindet. Das Mittel scheint zu wirken: Überall sieht man Menschen angeregt miteinander sprechen und lachen. Bestimmt 200 Menschen sind gekommen, aus der Nachbarschaft, aus der Gemeinde, Flüchtlinge, aus der Projekt-Szene, aus der lokalen Politik und auch aus den Familien der Vereinsmitglieder. Pünktlich um 16 Uhr werden die Anwesenden dann in die Kirche gebeten, der offizielle Teil soll in Kürze beginnen. Während man also vielleicht noch dabei ist, sich mit einem Gast über islamische und christliche Feste auszutauschen, schnappt sich Mirko Kormannshaus das Mikrofon und bittet um Ruhe. Er ist Geschäftsführer des Vereins WIR GESTALTEN e.V. und leitet heute durch das Programm. Schnell wird jedoch das Wort an Bezirksbürgermeister Christian Hanke übergeben. Dieser erinnert daran, dass mit den langen Tagen des Ramadan und den zahlreichenden Iftar- (Fastenbrechen-) Feiern viele Muslime und Muslima eine anstrengende Zeit hinter sich wissen. Er selbst, so Hanke, sei in diesem Jahr auf so vielen Iftar-Festen gewesen wie nie zuvor. Und gerade vor dem Hintergrund zunehmender rechtspopulistischer Propaganda freue er sich, dass Bundespräsident Gauck Teilnehmer eines solchen Iftar-Festes war. Christian Hanke: „Wir müssen im Bezirk gemeinsam zueinanderstehen, uns helfen, solidarisch sein. Und wir müssen denen sagen, die die Gesellschaft spalten wollen, dass wir das zurück weisen.“ Und genau das leist der Verein WIR GESTALTEN e.V. nun schon seit 10 Jahren. Das soziale Engagement der Vereins- und Gemeindemitglieder würdigte der Bürgermeister mit einem Bonhoeffer-Zitat: „Kirche ist da Kirche, wo sie Kirche für andere ist.“ Und er fügte hinzu: „Ich finde, diesen Anspruch erfüllen Sie wirklich sehr vorbildlich.“ Dem ist nicht viel hinzu zu fügen.

Im weiteren Verlauf des Nachmittags kommen nun Mitarbeiter*innen von WIR GESTALTEN e.V. aufs Podium, um über ihre Arbeit zu berichten. Zunächst kommt Kerstin Falk nach vorn, in der Anmoderation als "Gesicht des Vereins" bezeichnet. In ihrer kurzen Rede sagt sie: „Lernen durch Begegnung, das ist das Motto des Vereins und dass sieht man auch daran wie verschieden die Menschen sind, die hierher kommen – groß, klein, unterschiedlicher Herkunft und Religion.“ Sie selbst arbeitet seit fast drei Jahren für WIR GESTALTEN e.V. Um zu demonstrieren, wie der Verein arbeitet, bittet Frau Falk nun drei junge Menschen nach vorn. Es sind die beiden Mädchen Boschra und Doha sowie ihr ehrenamtlicher Pate Peter. Kennengelernt haben sie sich bei Nachhilfestunden in Mathe und Chemie. Bald jedoch kam es dazu, dass sie sich auch über ganz andere Dinge unterhalten haben und so entstand eine große persönliche Verbundenheit. Inzwischen geht Boschra aufs Gymnasium, Doha hat im Frühjahr ein Praktikum bei WIR GESTALTEN e.V. gemacht, in dessen Rahmen sie bei Netzwerktreffen dabei war, Flüchtlingsheime besuchte und den Winterspielplatz in der Baptistenkirche betreute. Die Familie ist dem Verein bereits seit sechs Jahren eng verbunden. Jeden Dienstag und Mittwoch helfen die Mädchen bei der Hausaufgabenhilfe oder am Basteltisch, während die jüngeren Geschwister spielen, klettern oder malen und sich ihre Mutter beim Kaffee mit anderen Frauen austauscht.

Im weiteren Verlauf berichtet Wiebke Witt über die Arbeit von Uzimatele in Kenia. Am Anfang stand dahinter die Idee, nicht nur lokal Verantwortung zu übernehmen, sondern auch global. Dafür suchte der Berliner Verein einen Partner, der im eigenen Land Expertise und Vertrauen besitzt, und fand ihn in Uzimatele. Der kenianische Verein wird von vielen kenianischen Menschen unterstützt, sodass davon ausgegangen werden kann, dass die gespendeten Mittel auch ihrer Bestimmung zukommen. Highlight des Uzimatele-Teils war ein Geburtstagsständchen, dass die kenianischen Kinder per WhatsApp nach Berlin schickten und das hier nun unter großem Beifall per Beamer präsentiert wurde. In Zukunft ist mehr Austausch zwischen den beiden Orten geplant, etwa per Skype-Telefonaten oder als gegenseitige Besuche.

Mario Kossmann aus dem Vorstand der Gemeinde freut sich über den Verein. „Durch ihn ist hier ein neues Gemeindeleben entstanden“, so Kossmann. Und zur Feier des Tages gibt es heute noch ein Geschenk für alle Kinder. Um die Spannung hoch zu halten, wird es von einem großen roten Tuch verdeckt. Erwartungsfroh gruppieren sich einige Kinder darum, um zu erfahren, was darunter liegt. Auf Kommando dürfen sie dann endlich das Geschenk lüften. Es ist ein Hochbeet, das auf dem Vorplatz der Kirche aufgestellt werden soll.

Über die Komplexität der Materie und den Umfang des Engagements der Mitarbeiter gibt am Ende des offiziellen Teils die fast 10-minütige Danksagung Auskunft. Sie richtet sich an wichtige Personen, die den Weg des Vereins bereitet und begleitet haben – u.a. auch das QM-Team, das die Arbeit des Vereins stets unterstützt hat. Vor allem richtet sich der Dank auch an die Familien aus der Nachbarschaft für den Vertrauensvorschuss. Es war wichtig und richtig, dass sie gekommen sind und wieder kommen, dass man hier Begegnung feiern kann und damit auch eine Bereicherung des Lebens der Mitarbeiter ermöglicht. Denn dies ist ja, muss man leider sagen, heute keine Selbstverständlichkeit: dass Menschen muslimischen Glaubens in ein christliches Gotteshaus kommen.

Und nun darf ausgelassen gefeiert werden. Es gibt Kaffee und Kuchen. Für musikalische Unterstützung sorgt die Band „Soul Meal“, bestehend aus jungen Frauen unterschiedlicher Herkunft, und Breakdance mit Samir und seinen Freunden. Außerdem wird gemeinsam gegrillt und sich ausgetauscht. Für die Kinder und Jugendlichen sind verschiedene Stände aufgebaut worden. Hier gibt es Dosenwerfen, Maskenbasteln, Buttons basteln, Henna-Tattoos, Kinderschminken und eine Fotostation. Und auch eine Hüpfburg ist im Hof aufgebaut. Nach einem ereignisreichen Tag voller Aktionen, Begegnung mit alt bekannten Gesichtern und neu gewonnenen Bekanntschaften können sich alle Kinder über ein eigenes WIR GESTALTEN e.V.-Shirt freuen, das sie mit nachhause nehmen. Allerdings: So sehr sich der Kiez heute mit WIR GESTALTEN e.V. über das Jubiläum freuen kann, die Arbeit des Vereins ist noch lang nicht vorbei.

 

 

 

Fotos und Text: Johannes Hayner, Anna Lindner
 
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