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Donnerstag, 09.06.2016

Fundraising macht Spaß!

Informationsreihe "Verstetigung" zum Thema Finanzierung und Projektförderung

Kerstin Falk

Ende dieses Jahres wird das Quartiersmanagement (QM) Sparrplatz verstetigt. Was hat so eine Verstetigung für Folgen für den Kiez? Wie geht es danach für Institutionen und Nachbar*innen im Kiez weiter? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das QM in seiner Informationsreihe Verstetigung. Thema am Mittwoch, 1. Juni: Finanzierung und Projektförderung. Zu Gast ist Dr. Kerstin Falk. Sie ist für den Verein WIR GESTALTEN e.V. tätig und bringt Erfahrungen aus erfolgreichen Fundraising-Kampagnen und der Fördermittelakquise mit. Kerstin Falk ist gekommen, um Projektträger*innen Mut zu machen. Sie weiß: Auch wenn das QM wegfällt, gibt es noch viele Finanzierungsquellen.

Der Verein WIR GESTALTEN e. V. engagiert sich mit Bildungs- und Freizeitangeboten für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im Kiez. In den letzten Jahren führte der Verein mehrere Projekte, angefangen von Hausaufgabenhilfe über Familiencafé bis hin zu Flüchtlingspatenschaften, in der Baptistenkirche durch. Ursprünglich kommt Kerstin Falk aus der Wissenschaft, genau genommen aus der Sozialwissenschaft. Vor einigen Jahren ist sie durch eine Nachbarin zufällig zum Verein gekommen. Schnell stellte sie fest, dass die Realität doch ganz anders aussieht als in der abstrakten Wissenschaft beschrieben. Doch ihre inzwischen jahrelangen Erfahrungen im praktischen Bereich haben sie sozusagen zu einer Expertin auf diesem Gebiet gemacht. Heute sagt Kerstin Falk: „Ich möchte nichts anderes mehr machen, auch nicht zurück in die Wissenschaft.“

Sie erklärt uns, worauf genau es bei der Fördermittelakquise ankommt. Zunächst ist es wichtig, sich über das eigene Anliegen im Klaren zu sein. Was will ich mit meiner Arbeit überhaupt erreichen? Da ist es natürlich von allerhöchster Bedeutung, sich zu fragen: Wer sind eigentlich meine Zielgruppen? Zur Beschreibung und Erkennung der eigenen Ausgangslage ist die SWOT-Analyse (Strengths – Weaknesses, Opportunities – Threats) ein sehr hilfreiches und beliebtes Mittel. Hierbei werden die eigenen Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken herausgearbeitet. Dabei stellt sich zum Beispiel die Frage nach den vorhandenen personellen, finanziellen und zeitlichen Ressourcen. Bei der Gelegenheit führt Frau Falk ein schönes Bespiel an, welches sich bei WIR GESTALTEN begab. Sie erzählt, dass die zu ihrem Verein kommenden Kiezmütter inzwischen bei einem Folgeprojekt eine wichtige sprachliche Vermittlerrolle zu Geflüchteten übernehmen. So kann man sich zum Beispiel die durch das eine Projekt gewonnenen Kontakte und Ressourcen in einem weiteren zu Nutze machen. Dies leitet uns direkt zu einem ebenfalls wichtigen Punkt: der Nachhaltigkeit. Wie lassen sich Erfolge durch das Projekt über die Förderlaufzeit hinaus sichern? Auch hier muss man sich einen genauen Plan machen.

Nun da ich mir meiner eigenen Ausgangslage und Ziele bewusst geworden bin, muss ich mich fragen, wie die Ausgangslage im potentiellen Projektumfeld aussieht. Also folgt: die Bestandsanalyse. Wie ist die Alters- und Einkommensstruktur, das Bildungsniveau, die Herkunft und dergleichen der Bewohner*innen. Hierfür empfiehlt Frau Falk die beim Einwohnermeldeamt frei erhältlichen Statistiken. Zur Ausgangslage zählt allerdings auch die sogenannte Konkurrenzanalyse. Was machen andere Einrichtungen im Kiez? Ist der Bedarf vielleicht sogar schon gedeckt oder gibt es eventuell Kooperationsmöglichkeiten mit bereits im selben Bereich tätigen Vereinen oder Einrichtungen?

Bin ich mir im Klaren über all diese Dinge, kann ich mich auf den Weg machen, entsprechend meines eigenen Profils Ausschreibungen von Stiftungen und öffentlichen Zuwendungsgeber*innen ausfindig zu machen. Finanzierungsquellen gibt es viele. Finanziert werden kann zum Beispiel durch öffentliche Förderungen, durch Privatpersonen, durch Unternehmen aus der Wirtschaft oder Stiftungen, aber auch Crowdfunding ist eine beliebte Möglichkeit. Je nachdem, ob es um eine Geld-, Zeit- oder Sachwertspende geht, kann ich für mein Projekt den oder die passenden Förderer*innen finden. Handelt es sich um Privatspenden, ist die persönliche Ansprache der Spender*innen und die Pflege der Beziehungen zu ihnen von besonderer Bedeutung. Dazu gehört zum Beispiel das Verschicken von Infos und Einladungen, das Veranstalten von Ehrenamtsabenden und Festen oder auch das Versenden von Danksagungen. Denn: Anerkennung ist das A und O. Wenn man jemanden unterstützt, ob finanziell, sachlich oder personell, freut man sich natürlich über ein Dankeschön. Und mit der persönlichen Anerkennung steigt eben oftmals auch der Wille der Spender*innen, dies weiterhin zu tun. Das ist eben menschlich. Bei Stiftungen eignen sich Ausschreibungen, Spendenbriefe an die Geschäftsführung oder der Social Day (link) zur Fördermittelakquise. Beim Crowdfunding ist es wichtig eine konkrete gespendete Zielsumme zu formulieren. Hier können beispielsweise Benefizveranstaltungen oder Sponsorenläufe veranstaltet werden. Kerstin Falk empfiehlt hier die Plattformen Bildungsspender und Betterplace.

Während der Fördermittelakquise und der Durchführung des Projektes kommt es dann auch noch auf eine gute Öffentlichkeitsarbeit an. Die eigene Homepage und Facebook-Seite sollten gefüttert werden mit klaren Informationen zum Projekt, Bildmaterial und Kontaktdaten. Nur so werden die eigenen Taten von außen auch wahrgenommen.

Frau Falk nahm vor einigen Jahren am Programm von startsocial teil. Ihr persönlich, so sagt sie, habe dieses Programm sehr geholfen. Es bietet Chancen zur Vernetzung mit anderen Initiativen und dazu, Kontakte zu Unternehmen aufzubauen. Außerdem eröffnet startsocial professionelle Weiterbildungsangebote. Teilnehmer*innen entwickeln einen anderen Blick auf den eigenen Verein und die Wirtschaftswelt und erlernen ein eigenes Ressourcenmanagement. Zudem hat die Teilnahme an einem solchen Wettbewerb eine starke Außenwirkung. Frau Falk wurde dadurch zum Beispiel zu verschiedenen Seminaren und sogar ins Kanzleramt eingeladen.

Kerstin Falk will Mut machen. Sie erzählt, dass es ihr anfangs peinlich war, nach Geld zu fragen. Doch inzwischen hat sie großen Gefallen daran gefunden, denn man bekommt Dankbarkeit von den Menschen zurück. Und genau diese Anerkennung steigert das Selbstbewusstsein und treibt einen weiter an. Und auch Vorurteile lassen sich abbauen, das hat Kerstin Falk gelernt. Durch startsocial kam sie zum Beispiel in den Kontakt mit Großkonzernen wie Siemens und der Deutschen Bank: „Mit der Frau von der Deutschen Bank gehe ich inzwischen ab und zu ein Bier trinken, weil sie direkt bei mir um die Ecke wohnt.“ Kerstin Falk findet: Fundraising macht Spaß! Schade, dass lediglich zwei Teilnehmer*innen den Weg ins SprengelHaus fanden, um dem wertvollen Vortrag zu folgen und im Anschluss daran die Gelegenheit zu nutzen, Fragen an eine Fundraising-Expertin zu stellen. Es wurde über viele Tipps und Tricks in Sachen Fundraising berichtet, die ansteckten, sich weiter mit potentiellen Finanzierungsmöglichkeiten zu beschäftigen.

Übrigens: am 9. Juli feiert WIR GESTALTEN e. V. 10-jähriges Jubiläum.

 

Text und Foto: Anna Lindner

 

 

 
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