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Montag, 07.03.2016

Fördern erörtern

Alles rund um Kulturförderung bei der Informationsreihe zur Verstetigung am 2. März

Nathalie Küchen (Kulturförderpunkt)
einige Informationsangebote zu verschiedenen Fördermöglichkeiten

Kunst- und Kulturprojekte sind geeignet, Identitäten und gesellschaftliche Rollen von Einzelpersonen oder Gruppen zu hinterfragen und zu definieren. Sie geben Impulse in öffentliche Diskurse, schaffen Verbindendes und überwinden Vorurteile. Kein Wunder, dass gerade im QM-Kontext viele Kunst- und Kulturprojekte angesiedelt sind, auch hier im SprengelKiez. Da, wie ja nun hinlänglich bekannt ist, Ende 2016 die Möglichkeit einer Förderung aus QM-Mitteln entfällt, fragen sich viele Projekte, wie es nun weiter gehen soll, woher sie möglicherweise eine alternative Förderung erhalten können. Wobei, so viele können es nicht sein – sonst wäre die Veranstaltung am 2. März im SprengelHaus besser besucht gewesen.

So traf sich ein Häufchen Unverdrossener, um den sehr detailfreudigen und kompetenten Vortrag der Gastrednerin Nathalie Küchen vom Kulturförderpunkt Berlin zu hören. Der Kulturförderpunkt Berlin ist selbst ein gefördertes Projekt und versteht sich als erste Anlaufstelle für Berliner Kulturschaffende, Künstler, Projektinitiatoren, Vereine und Akteure der freien Szene, die Informationen zum Thema Kulturförderung und -finanzierung suchen. Und das war auch das Thema für Nathalie Küchen an diesem Abend. Sie stellte verschiedene Fördermöglichkeiten, vor allem aus der öffentlichen Hand vor und unterrichtete über Bedingungen, Einschränkungen und Förderumfänge.
Die grundsätzliche Fragestellung war also: Wie finde ich für mein Projekt die passende Förderung?

Auf verschiedenen regionalen Ebenen kann Förderung beantragt werden. Das fängt an bei der Europäischen Union, geht weiter über Bund, Land und Bezirk und endet beim QM auf lokaler Ebene. Interessant dabei ist, dass man ein Projekt gleichzeitig aus Töpfen aus verschiedenen Ebenen fördern lassen kann – aber nicht aus mehreren Töpfen der gleichen Ebene. Hinzu treten private Förderer, doch das ist eine andere Geschichte, die an diesem Abend eher peripher behandelt wurde. Wer sich allerdings auf die Suche nach einem privaten Sponsor machen möchte, sollte sich fragen, was sein Projekt für potentielle Sponsoren interessant machen könnte. Hier einige Punkte:

  • Das zu fördernde Projekt hat/ist eine starke Marke.
  • Hinter dem Projekt stehen VIPs, große Namen oder auch Würdenträger wie z. B. der lokale Bürgermeister.
  • Ein möglichst ganzjähriges oder lang laufendes Programm erleichtert die Sponsorensuche, weil dann der Sponsor mehr Präsenz bekommt.
  • Im Projekt erhält der Sponsor die Möglichkeit, mit potentiellen Kunden seiner Produkte in Kontakt zu treten.
  • Es gibt einen lokalen Bezug zwischen Projekt und Sponsor.
  • Eine weitere Möglichkeit ist Crowdfunding. Sie wird zwar immer beliebter, allerdings ist das Einwerben von Fördermitteln auf diesem Weg aufwändig.


Im Anschluss referierte Nathalie Küchen viele verschiedene Fördermöglichkeiten auf Bundes-, Landes- und lokaler Ebene, die sie nach Sparten sortiert vorstellte.Die stark ausdifferenzierte Förderlandschaft im Kulturbereich hier darzustellen macht wenig Sinn, aber auf der Webseite www.kulturfoerderpunkt-berlin.de gibt es einen guten Überblick.

Interessant waren die kleinen Zusatzinformationen von Nathalie Küchen, die durchaus fachkundig aus der Welt der Fördertöpfe berichtete. Um Fördermittel zugesprochen zu bekommen, gilt es, abhängig vom Förderer verschiedene Dinge zu beachten. Das fängt mit der Frist an, zu der die Mittel beantragt werden müssen und geht bis zu den Punkten, wie hoch die maximale Förderhöhe ist und ob der angefragte Förderer eine 100%-Förderung übernimmt oder gegebenenfalls noch weitere Mittel beantragt werden müssen. Detailfragen wie der Nachweis eines bereits erfolgreich absolvierten Projektes in der gleichen Sparte oder was überhaupt förderfähig ist – Drucksachen z.B. sind es bei einigen Fonds nicht – komplettieren das Dickicht, das Küchen zu lichten versucht. Die Materie ist zu komplex, um in der kurzen Zeit ihres Vortrages Durchblick zu erlangen. Allerdings sind alle Teilnehmer danach sensibilisiert für die großen und kleinen Fragen und Herausforderungen der Förderlandschaft.

Somit tritt die Veranstaltung in die Phase der Publikumsfragen über, die nun auch zahlreich aufpoppen. Was erhöht die Chancen, eine Förderung zu bekommen, möchte ein Besucher wissen. Zunächst ist es gut, Kooperationspartner im Boot zu haben und noch besser ist es, wenn diese erfahren sind und bereits Fördererfahrung aufweisen. Dann braucht es ein wasserdichtes Konzept, an dem für die Vergabejury kein Weg vorbei führt. Essentiell ist auch ein guter Finanzierungsplan, in dem sich der Antragsteller nicht unter Wert verkauft, aber angemessen und plausibel kalkuliert. Honorarvorstellungen wie in der freien Wirtschaft sind im kulturellen Sektor jedenfalls (noch?) nicht realisierbar. Die beantragten 12.000 Euro für Pressearbeit, die Nathalie Küchen in einem Antrag fand, wurden entsprechend nicht bewilligt.

Sodann vor dem Hintergrund der anstehenden Verstetigung hier im SprengelKiez die Frage, ob denn eine nahtlose Weiterführung bisher QM-geförderter Projekte (Beispiel Kiezbote) überhaupt möglich sei. Dies ist bei einer Ausweitung bzw. Verlagerung des Projektes in ein anderes Gebiet sicher denkbar. Allerdings macht das bei einem stark lokal verankerten Projekt wie einer Kiezzeitung wenig Sinn. Auch die Integration von Anzeigen zur Erleichterung der Finanzierung ist bei gleichzeitiger Förderung zumindest problematisch, es hänge dann aber stark vom Fördermittelgeber ab.

Insgesamt empfiehlt die Referentin des heutigen Abends eine Beratung für diejenigen, die keine Erfahrung mit dem Stellen von Förderanträgen haben. Die Wahl des richtigen Fonds, formale Kriterien, die richtige Aufarbeitung des Antrages – dies alles ist als Herausforderung nicht zu unterschätzen. Als Tipp für die Beschreibung der Projektidee empfiehlt sie die Orientierung an den W-Fragen, also: Wer macht Was Wann, Wo und Wie. Die Begründung für die beantragte Förderung sollte sich immer an „Hard-Facts“ halten. Und um einer Bewerbung zusätzlich Schwung zu geben können Antragsteller auch Unterstützung von anderen Menschen organisieren. Zum Beispiel, indem sie den Bürgermeister besuchen, ihm von den geplanten Maßnahmen berichten und ihn bitten, das Projekt mit einem „Letter of support“ zu unterstützen. Oder durch das Einsammeln von Bürgerstimmen, die das Projekt gut heißen.

Als insgesamt problematisch für den Kunst- und Kulturbereich sieht Nathalie Küchen die Tatsache, dass langfristige institutionelle Förderung immer weiter zurück gefahren wird. Vielmehr würden nur noch kurzfristige Förderzeiträume für einzelne Projekte vergeben. Eines der wenigen Projekte, die noch eine langfristige Förderzusage ergattern konnten, sei 48h Neukölln – und dort sei den Veranstaltern die lokale Politik erheblich beigesprungen.

Für alle, die mehr über das Thema Förderung wissen wollen, gibt es bei Kulturförderpunkt Berlin auch Informationsveranstaltungen – z. B. im April wieder der äußerst beliebte (und jetzt eigentlich schon ausgebuchte) Workshop „Von der Idee zum Antrag“ oder im März den Workshop „Antragsfitness“, der sich an die Interessenten am Projektfonds richtet.

Fast mit einer Überdosis an Förderwissen im Kopf verabschieden die Teilnehmer Nathalie Küchen mit einem freundlichen Applaus. Das Thema Förderung wird im SprengelKiez wohl auch weiterhin aktuell sein – auch wenn man inzwischen die Tipps zur Beantragung von QM-Mitteln beruhigt vergessen kann.

Text und Fotos: Johannes Hayner
 
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