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Donnerstag, 28.07.2016

Erstes Inklusives Kinder- und Jugendfest am Nordufer

T-Shirts des Organisationesteams
Luftballon
Kinderschminken!
Das kommt gut an.
Streetbasketball
mit Rolli
Andrea Künzel
Spezialanfertigung
Meine nackte Waffel
Vorlesezelt
Auch das Bühnenprogramm
bot
uns einiges.
Meine Tochter mit Opa
Seifenblasen
Die kunterbunte Katze
Beim Skate-Workshop
Beate vom Parcours-Workshop
Fotoworkshop

“Am Sonntag dem 17.07. rockt der Pekinger Platz in Berlin-Wedding zum ersten Kinder- und Jugendfest für Kids und Teens mit und ohne Behinderungen. Von 10 bis 18 Uhr gibt´s am Nordufer viel Spannendes zu erleben. Eltern und Geschwister dürfen auch mit ;)” heisst es vielversprechend auf der Facebook Seite.

Es ist das erste inklusive Kinder- und Jugendfest dieser Art und für die Veranstalterin Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, höchste Zeit, das Thema in einem Berliner Kiez zu feiern. Welcher eignet sich da besser als der Sprengelkiez? Und so lud sie unter dem Motto #Inklusionbewegt am 17. Juli zum gemeinsamen Feiern am schönen Nordufer am Pekinger Platz, welches auf Initiative des Quartiersmangements Sparrplatz 2010 mit Bürgerbeteiligung umgestaltet wurde. Die Umgestaltung scheint sich gelohnt zu haben, wurde das Nordufer von den Veranstalter*innen auch aufgrund seiner Barrierefreiheit ausgesucht.  

Der Flyer macht schon richtig neugierig. Ich habe einen in der Kita meiner Tochter mitgenommen. Er ist super gestaltet und enthält alle Infos zusätzlich auf einer mir fast unbekannten Kommunikationsebene, nämlich in Blindenschrift. Für mich eine starke Habtik, für viele Menschen eine absolute Notwendigkeit.

Schaumermal.

Das Wetter ist mittel. Könnte besser sein, aber auch schlechter. Ein paar dicke Wolken hängen am Himmel und ab und zu nieseln ein paar Tröpfchen herunter. Davon lassen wir uns aber nicht stören! Auf den ersten Blick wirkt das Fest überraschend groß und sehr professionell. Zwei Tage lang wurde es fachmännisch aufgebaut, um allen interessierten Besucher*innen eine Teilnahme im Sinne des Inklusionsansatzes zu ermöglichen. Überall sieht man Mitglieder*innen des Organisationsteams in T-Shirts des Veranstaltungsdesigns. Als ich kurz vor zwei eintrudele, ist die Veranstaltung gut gefüllt! Von der Torfstaße kommend, beginnt das Fest am Nordufer mit einem Rollstuhlparcour, es folgen mehrere Stände und Zelte, die Workshops zur Gebärdensprache anbieten. Am Ende des Platzes gibt es eine große Bühne mit Livemusik. An zwei Punkten bekommt man bunte Gasluftballons mit “#inklusion bewegt” drauf. Eine gute Idee: Fast alle Kinder haben einen in der Hand! Auf der Rasenfläche neben dem Spielplatz, also vor dem Sprengelpark, stehen ebenfalls einige Zelte. Hier gibt es beispielsweise Kinderbasteln oder –schminken. Vorfreudig warten die Kleinen darauf, namentlich aufgerufen zu werden, um dann wenig später als Löwe, Möwe, Maus oder Laus den Schminktisch zu verlassen. Super sehen die aus!

Als erstes interessiert mich ein Streetbasketballfeld direkt auf dem Nordufer. Etwa 25 Meter lang, seitlich begrenzt durch die Bordsteine. Hier gehen die Sportler*innen in Rollstühlen auf Körbejagt.
Andrea Künzel, ehrenamtliche Mitarbeiterin der Sportgemeinschaft Handicap Berlin e.V. (SGH) erklärt: “Beim Rollstuhlbasketball geht es ganz schön zur Sache! Wir nutzen dazu Spezialrollis, die ähnlich wie beim Autoscooter, außenrum mit einer Stoßstange ausgestattet sind. Außerdem sind sie etwas anders austariert, so dass sie nicht so schnell umkippen. Wir spielen sowohl in der Halle, als auch draußen. Unter freiem Himmel macht’s natürlich am meisten Spaß!” Das Spiel ist rasant! Es wird geschrien, gelacht, geschwitzt und gejubelt. Jeder kann mitmachen! Man sieht aber sehr deutlich, wer schon mal gespielt hat und wer nicht. Die Rollstuhlbasketballer sind den Neulingen technisch und taktisch um Welten voraus, aber da die Teams gut gemixt sind, ist das Match spannend! Die SGH hat noch weitere Sportarten im Programm: Fußballtennis, Wassergymnastik, Parkinsonsport, Unihockey, um nur einige zu nennen.

Wer sich für die einzelnen Initiativen oder Vereine interessiert, für den habe ich unter dem Artikel eine Kontaktliste angehängt.

Ich gehe weiter. Habe Hunger, aber die Schlange am Grillstand, ist mir zu lang. Das Grillgut, Halloumi, Würstchen und Steaks, sieht aber wirklich phantastisch aus. Schade. Direkt neben dem Café Achteck, unserem historischen Pissoir, gibt es einen kleinen Wagen, der unter anderem Waffeln bäckt. Hier ist glücklicherweise gerade niemand und ich schlage zu: “Und oben drauf? Apfelmus, Nutella, Obstsalat?” “Nee, nur Puderzucker, danke!” Eine gute Wahl: Super Lecker!

Nebenan erfreut sich das “Vorlesezelt” großer Beliebtheit. “Das Wetter kommt uns natürlich entgegen”, schmuzelt Ursula Frommholz aus dem Vorstand der Lesewelt Berlin, “bei Regen ist es besonders gemütlich bei uns im Zelt.” Die Lesewelt veranstaltet seit dem Jahre 2000 kostenlose Vorlesestunden für Kinder von 4 bis 14 Jahren. Und zwar in Kitas und Bibliotheken. In unserer Nähe sind das die Schiller Bibliothek (immer dienstags 16 bis 17 Uhr) und die Bibliothek am Luisenbad (donnerstags 16 bis 17 Uhr). Es kommt ein kleines Team von mehreren Vorleser*innen, um die Kindergruppen klein zu halten und die verschiedenen Alter bedienen zu können. Da das Lesen können immer an das Lesen wollen geknüpft ist, hat sich der Verein zum Ziel gesetzt, Kinder zum Lesen zu motivieren. Beim Vorlesen wächst nicht nur die Neugierde auf Geschichten, sondern auch das positive Gefühl persönlicher Zuwendung wird aufs Lesen übertragen. Besonders für Kinder aus nicht deutschen Sprach- und Kulturräumen, werden so unbeschwerte Möglichkeiten kreiert, Sprachkenntnisse zu verbessern. “Wir leben Inklusion jeden Tag. 40x die Woche, eine Stunde.” Im Zelt ist es mucksmäuschenstill. Volle Konzentration auf die Stimme von Sebastian Urbanski. Der Schauspieler, Synchronsprecher und Schriftsteller liest aus seinem Buch "Am liebsten bin ich Hamlet". Hier erzählt er offen über sein Leben mit dem Downsyndrom.

Auf der Bühne gibt's es verschiedene Acts, Noah Levi, Jahn Apart, Mosaik und viele andere, moderiert wird das Programm von Radio Teddy Moderator Roland. Interessant und von mir bisher noch nie so gesehen: Alle Texte der dargebotenen Songs werden für Hörgeschädigte in Gebärdensprache übersetzt. Simultan. Zuerst dachte ich, dass es eine Tänzerin ist, die sich da am rechten Bühnenrand bewegt. So anmutig und kraftvoll verkörpert sie die Texte. Beeindruckend!

Inzwischen ist auch meine Tochter eingetroffen. Sie hatte bei Opa übernachtet und wird von den Riesenseifenblasen magisch angezogen. Ein zeitloser Klassiker!

Vorbei am SKATE WORKSHOP, wo Groß und Klein (und kunterbunte Kätzchen) – natürlich mit Helm und Protektoren ausgerüstet – einen Schnellkurs, der auch im Sprengelkiez immer populärer werdenden Sportart absolvieren, bewege ich mich zurück Richtung Rollstuhlparcour.

Auch hier hat man die Möglichkeit, die Perspektive zu wechseln und zu erleben, wie es ist, wenn man auf einen Rolli angewiesen ist. Ich lege alles ab (Jacke, Kamera und Rucksack sind schwierig auf dem Rollstuhl) und rolle nach einer kurzen Einführung los.
Beate Schaffelhofer, Inititatorin des Projektes erklärt: “Meine Tochter sitzt selbst im Rollstuhl. Seitdem habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, anderen zu zeigen, wie das ist. Mit welchen tagtäglichen Herausforderungen Rollifahrer zu kämpfen haben. Wir wünschen uns, dass durch Selbsterfahrung 'Behinderung' besser verstanden und somit Inklusion gefördert wird.”
Über 100 Parcours hat sie schon gebaut: an Schulen, Unis, auf Festen und Veranstaltungen. Deutschlandweit. Konkret geht es darum, die Umwelt für die baulichen Bedürfnisse behinderter Manschen zu sensibilisieren.
Es geht über Rampen unterschiedlicher Steigungen und Winkel. Bei der 12-Prozent-Rampe muss ich volle Armkraft aufwenden. “Oberkörper nach vorne!”, ruft Beate. Das ist ein wichtiger Tipp, denn sonst läuft man große Gefahr, nach hinten zu kippen. Richtig kompliziert ist die Tür, die natürlich nach vorne, also in meine Richtung aufgeht, man also mit einer Hand zurückfahren muss, während man mit der anderen die Tür an der Klinke zu sich ziehen versucht. Schwierig. Dann gibt es noch enge Kurven und fiese Untergründe wie tiefen Teppich, Holzlatten oder Kieselsteine. Ich bin nach einer Runde schon etwas geschafft, versuche aber eine zweite. “Mit unseren Parcouren wollen wir natürlich auch Berührungsängste abbauen und insgesamt die Wahrnehmung gehandicapter Menschen ändern, verbessern.”

Es gibt noch einen Rap-Workshop mit Graf Fidi einen Foto-Workshop von und für Blinde und Sehende sowie einen Schnellkurs in Gebärdensprache. Aber für heute habe ich genug Eindrücke gesammelt.

Alles in allem ein richtig gelungenes Fest, was auch meine persönliche Wahrnehmung gegenüber behinderten Menschen verändert hat. Und genau dies hat sich die Veranstalterin Verena Bentele, übrigens vierfache Weltmeisterin und zwölffache Paralympics-Siegerin, für das Fest gewünscht. Sie selbst ist sehbehindert und erlebt viel zu oft im Alltag, wie Menschen über sie und nicht mit ihr sprechen. So ein inklusives Fest ist eine gute Gelegenheit, seinen Erfahrungshorizont zu erweitern und miteinander ins Gespräch zu kommen. Der Sprengelkiez hat bewiesen, dass er dafür genau der richtige Ort ist.

 

Text und Fotos: Volker Kuntzsch

 


Weitere Informationen:

Verena Bentele
Beauftragte der Bundesregierung
für die Belange behinderter Menschen
Mauerstraße  53
10117 Berlin
www.behindertenbeauftragte.de
https://www.facebook.com/behindertenbeauftragte/

Sportgemeinschaft Handicap Berlin e.V.
Neue Kantstr. 23/24
14057 Berlin
Telefon: 030 - 25 46 93 36
www.sgh-berlin.de

Lesewelt Berlin e.V. - Wir lesen vor
Ursula Frommholz, Vorstand
Turmstraße 75
10551 Berlin
Telefon: 030 - 450 89 209
www.lesewelt-berlin.org

Orte der Lesungen:
Schiller Bibliothek
Müllerstraße 149
1353 Berlin

Bibliothek am Luisenbad
Travemünder Str. 2
1357 Berlin

Schaffelhuber - Rollstuhlprojekte
Beate Schaffelhuber
Sportplatzsiedlung 1
84092 Bayerbach
Telefon: 08774 - 405
Mobil: 0163 - 153 12 28
www.schaffelhuber.org/rollstuhlprojekte

Sebastian Urbanski - Schauspieler beim Theater RambaZamba
www.theater-rambazamba.org/ensemble/sebastian-urbanski/

Graf Fidi  - Berliner Rapper
graffidi.de





 

 
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