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Donnerstag, 23.10.2014

Drucken ohne Druck

Open House im Printing House

das USE-Printing House in der Genter Straße
morgendliche Besprechung in der Druckerei
ein Drucker begutachtet die ersten Ausdrucke
die Heidelberg-Druckmaschine ist die größte bei USE
Wolfgang Schulz, Leiter des Printing House
Open House im Printing House
Layout-Workshop
die Teilnehmer begutachten die Heidelberg
die USE-Hausband sorgte für lockere Stimmung

Auch Sie kennen wahrscheinlich die Druckerei in der Genter Straße, das USE Printing House. Für alle die es noch nicht kennen: Das Printing House ist eine Druckerei, die durch moderne Drucktechnik und ausgebildetes, freundliches Fachpersonal beeindruckt. Kunden bietet sie Digital-,  Sieb-, Tampon- und Offsetdruck sowie das Binden in der eigenen Industrie- oder Handbuchbinderei. Außerdem gibt es eine Perlenmanufaktur, wo ausgefallene Perlen aus Papier entstehen. Diese werden zu individuellen Schmuckstücken wie Ohrringe oder Ketten verarbeitet.

Aber all dies macht die Druckerei noch nicht zu etwas Besonderem, denn Druckerzeugnisse auf höchstem Niveau bieten viele Druckereien. Nein, vor allem die Kunden machen die USE (Abkürzung für Union sozialer Einrichtungen) besonders: Als "Kunde Nr. 1" bezeichnet man bei USE behinderte Menschen und psychisch Kranke. Denn diese finden hier Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten. Der Fokus liegt also neben der Kundenzufriedenheit auch auf der Zufriedenheit der behinderten Menschen, die hier arbeiten. Dies erfordert zum Teil eine besondere Ansprache, wie der Leiter des Printing House, Wolfgang Schulz, einräumt: "Das Arbeitsklima hier ist möglichst stressfrei und unaufgeregt. Viele behinderte Menschen reagieren empfindlich auf Druck, und so versuchen wir, ihn tunlichst zu vermeiden." Das merkt man deutlich, wenn man bei der USE zu tun hat. Die Arbeitsatmosphäre ist konzentriert, aber auch locker, persönlich und zugewandt.

10. Oktober, 11 Uhr im Printing House. Satte Beats bringen den Hof zum Schwingen. Die vierköpfige USE-Hausband spielt flotte, fröhliche Rhythmen. Viele Gäste und Gastgeber schwingen mit, die Stimmung ist gut, das Wetter stimmt. 50 bis 60 Menschen sind dabei beim 7. Open House, das inzwischen alle zwei Jahre stattfindet. Gekommen sind Auftraggeber, die hier drucken lassen, behinderte Menschen aus anderen USE-Einrichtungen, Angehörige und Freunde. Neben dem selbst gemachten Catering - die USE hat eine eigene Kantine im Printing House - gibt es aber auch einen inhaltlichen Leckerbissen. Auf zwei Workshops können die Gäste eigene Postkarten erstellen - und zwar vom Layout bis zum fertig gedruckten Ergebnis. Wolfgang Schulz, Leiter des Printing House, ist selbst überrascht: "Anfangs waren wir ein wenig skeptisch, ob die Idee bei unseren Besuchern verfängt. Dann mussten wir den einen geplanten Workshop in zwei teilen, so groß war der Andrang." Offensichtlich interessiert die Menschen das Handwerk Druck - vor allem, wenn man wirklich alle Produktionsschritte selber durchlaufen kann, vom "Rausschiessen" über das Ausbelichten und Farbe auffüllen bis hin zum Endbeschnitt. Das Team vom Printing House wertet den Besuchertag als vollen Erfolg. "Gerade für unsere behinderten Mitarbeiter ist so ein Tag nicht mit Gold aufzuwiegen.", meint Wolfgang Schulz. "Was sie an so einem Tag an Motivation und Anerkennung erfahren, das begleitet sie noch viele Wochen."

Für unser QM-Gebiet wird die Druckerei in Zukunft noch größere Bedeutung haben. Denn hier wird die neue Kiezzeitung, erstellt von einer Bürgerredaktion, gedruckt. Gern nahm die Druckerei den Auftrag entgegen, engagiert sie sich doch schon traditionell im Kiez dies- und jenseits der Luxemburger Straße. So wurde erst kürzlich eine Ausgabe der Schülerzeitung der Ernst-Schering-Schule (Genter Straße) hier gedruckt. Die Schüler konnten dabei die Druckerei besuchen und interessierte Fragen stellen. Wolfgang Schulz freut sich auf die Kooperation mit der Bürgerredaktion und hebt einen Vorteil klar hervor: "Gerade wenn die Redaktion in Zukunft auf eigenen Füßen stehen soll, ist ein lokaler Ansprechpartner für Nicht-Profis äußerst wertvoll. Oder versuchen Sie mal, bei einer Online-Druckerei Unterstützung bei der Erstellung Ihrer Druckdaten zu erhalten."

Im Verbund der USE ist das Printing House eine eher kleine Einrichtung. 90 behinderte Menschen arbeiten hier in den Gewerken Druckerei, Handbuchbinderei, Perlenmanufaktur, Druckvorstufe, Industriebuchbinderei sowie in den Servicebereichen Küche, Hauswirtschaft und Verwaltung. Daneben gibt es die berufliche Bildung, die auch von anderen USE-Einrichtungen genutzt wird. Hier werden behinderte Menschen zum Beispiel zu den Themen Papier, Farbsysteme oder Software geschult und auf ihren Einsatz vorbereitet.

Ein weiterer Grund dem Printing House einen Besuch abzustatten ist die dort zurzeit gezeigte Ausstellung „Portrait“ mit Werken von Katja Nickel. Die 1980 geborene Künstlerin überträgt Porträts-Fotos in Ölkreide auf ca. 30x40cm Karton. In ihrer Ausstellung präsentiert sie zwölf Porträts, unter anderem auch von bekannten Gesichtern. Bei Katja Nickel  kann sich jeder, der ein Foto als Vorlage mitbringt, ein solch individuelles Kunstobjekt anfertigen lassen. Mit Bleistift auf Karton  in Größe A6 gezeichnet gibt es die Raritäten schon für 15 Euro.

Ausstellungsdauer: 8.7.- 8.11.2014

Die USE ist ein gemeinnütziges Unternehmen, das  verschiedenste Produkte und Dienstleistungen anbietet. Dazu zählen unter anderem handwerkliche Gebiete wie Tischlerei, Malerei, Schneiderei, Metallwerkstatt und Töpferei aber auch Bootsbau, Gastronomie und Floristik. Die USE bietet insgesamt über 800 psychisch Kranken und behinderten Menschen berufliche Bildungs-, Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten in Berlin und Brandenburg. Hinter allen vom USE erbrachten Produkten und Dienstleistungen steckt also auch eine Chance für behinderte Menschen, sich in einen strukturierten Arbeitsalltag zu integrieren und zu stabilisieren. Für alle bei der USE gilt: Die behinderten und nicht behinderten Menschen, die hier arbeiten, sind Kunde Nummer 1. Deshalb erfahren sie besondere Wertschätzung durch soziale und materielle Zuwendung. Als dynamisches und innovatives Unternehmen bietet sie ihren Mitarbeitern viele Gestaltungs- und Handlungsspielräume.

 

USE gGmbH

Printing House

Genter Straße 8

 

Mehr Informationen zur USE 

Text: Anna Lindner/Johannes Hayner Fotos: USE/Johannes Hayner
 
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