Suche

Newsletter bestellen für

Aktuelle Veranstaltungen

Donnerstag, 30.05.2013,

Redaktionsschluss für den KIEZBOTEN

Freitag, 31.05.2013, 15:00 Uhr

Fest der Nachbarn bei der Konfliktagentur

Freitag, 31.05.2013, 15:00 Uhr

SprengelHaus-Fest

Samstag, 01.06.2013, 10:00 Uhr

Baby- und Kinderflohmarkt

Dienstag, 04.06.2013, 11:00 Uhr

Aktionswoche gegen Hundekot

Mittwoch, 05.06.2013,

Wahlen 2013 im Sprengelkiez

Top Themen

  • Der Sprengelkiez wählt – jede Stimme zählt!

    Am 4. Juni ist der Wahlauftakt im SprengelHaus mit Live-Musik, dann stellen sich auch die Kandidat/innen vor und es kann bis zum 8. Juni an verschiedenen Orten im Kiez gewählt werden. Wahlberechtigt sind alle ab 16, die im Quartier zwischen Müllerstraße, Nordufer und Luxemburger Straße wohnen, arbeiten oder sich ehrenamtlich einsetzen. [mehr]
  • Eine Begehung und viele Fragen rund ums Nordufer

    Bei einer Begehung mit Anwohnern, Landschaftsarchitekten, Baumexperten und den Projektmachern von SCHÖNER SPRENGELKIEZ ging es am 7. Mai um Schutz und Erhalt der Grünfläche. Die Anwohner hatten viele Fragen und Anregungen, z.B. ein kleine Schiffstour auf dem Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal. Eine tolle Idee, die sicher vom Projektteam aufgegriffen wird. [mehr]
  • Über'n Tellerrand: Kiezmentorin war in China

    Einen Monat lang ließ ich die Arbeit als Kiezmentorin ruhen und war im fernen China unterwegs. Als Teil einer 13-köpfigen Delegation von Berlinern, Tschechen und Österreichern zum Zwecke des Kulturaustauschs bereisten wir die ostchinesische Provinz Henan und sammelten viele unvergessliche Eindrücke in einem Land voller Widersprüche. [mehr]
Freitag, 30.04.2010

Der besondere Blick: Mit Diego durch den Sprengelkiez

Leopoldplatz
Ein sonniger Samstagmorgen am Leopoldplatz

Samstags um 12 Uhr vorm Karstadt an der Müllerstraße: Menschenmassen schieben sich vorbei an Obst- und SPD-Infoständen. Auf dem Leopoldplatz gegenüber bietet ein Flohmarkt Schnäppchen. Ich halte schon eine Weile Ausschau nach den Leuten von der Route 65 und werde langsam nervös.

Am bunten Route 65-Flyer in der Hand erkenne ich als erstes Susanne Pozek, Projektleiterin bei Kulturbewegt e.V.: Der Verein ist Träger der Route 65- und Route44-Touren mit Jugendlichen durch Berliner Kieze. Dann erscheinen auch der 19-jährige Diego, unser heutiger Führer durch den Sprengelkiez, und eine junge Frau, neu zugezogen und neugierig auf die heutige Tour.

Diego auf dem House of Nations
Diego auf dem House of Nations.

Vor acht Jahren kam Diego aus Brasilien in den Sprengelkiez. Er wohnte mit seiner Mutter lange und gerne in der Triftstraße. In der Osterkirche wurde er konfirmiert, hier traktierte er das Schlagzeug im Jugendkeller. Den Sprengelkiez findet er nett und angenehm im Vergleich zu seiner jetzigen Wohngegend im nördlichen Wedding.

Unsere heutige Führung unter dem Titel "Afrika küsst Asien" wird leider vorerst die letzte mit Diego sein, denn der sympathische junge Mann verlässt Berlin zur Ausbildung Richtung Ruhrgebiet - er will Pastor werden. Die Route 65 sucht deshalb Jugendliche, die Lust haben, an seiner Stelle durch den Sprengelkiez zu führen. (Weitere Infos hier)

Luxemburger Straße
Im Fast-Food-Himmel Wedding.

Nach einer kurzen Einführung geht es in die lebhafte Luxemburger Straße. Hier reihen sich günstige Fast-Food-Läden aller Herren Länder aneinander. Auf wenigen Metern könnte man sich durch mehrere Kontinente futtern - für mich ein echtes Highlight.

Nicht zuletzt wegen der vielen asiatischen Studenten, die in der Gegend leben, findet man allerlei fremdartige Genüsse jenseits von Döner und Falafel, z.B. selbst gemachtes Kimchi (milchsaurer Kohl) beim Koreaner oder Sommerrollen beim Vietnamesen.

House of Nations - Reiskocher inklusive

Blick über den Sprengelkiez
Grandiose Ausblicke vom House of Nations.

Kurz darauf sind wir schon beim „House of Nations“, dem höchsten Haus am Sparrplatz. Ganz exklusiv dürfen wir aufs Dach steigen. Diego erzählt, dass das Studentenwohnheim der Bürgermeister-Reuter-Stiftung sich seinen vorwiegend asiatischen Mietern angepasst hat. Ein Reiskocher gehört zur Grundausstattung.

Auf dem frisch renovierten Dachgarten kann man auch im Grünen sitzen oder eine Grillparty veranstalten. Von hier hat man einen grandiosen Blick über Berlins Mitte. Der Humboldthain ist heute zum Greifen nah, aber auch die Kuppel des Reichstags hinter Bayer-Schering ist gut zu sehen.

Apfelsaft, Obstbrand und Bier vom Sparrplatz

Eschenbräu am Sparrplatz
Martin Eschenbrenner braut echtes Weddinger Bier und experimentiert mit Obstbränden.

Unter uns sieht man in den Biergarten vom Eschenbräu. Hier ist das Reich von Martin Eschenbrenner, dem Braumeister so wohlklingender Biersorten wie „Roter Wedding“ oder „Alter Schwede“. Wir treffen ihn bei der Arbeit und er stellt uns seine neueste Kreation, einen Obstbrand vor. Für eine weitere Spezialität muss man sich noch etwas gedulden. Aus dem ebenfalls hier erzeugten Apfelsaft reift in Holzfässern schon der erste Calvados Berlins. Na dann: Prost!

Wer übrigens Pech hat und vor verschlossenen Türen steht, kann auf einem digitalen Bildschirm Einblick in den Braukeller nehmen. In den glänzenden Messingkesseln entstehen die charakteristischen Biere des Eschenbräu, meist kräftiger als übliche Biere und vor allem ungefiltert.

Cricket auf dem Sparrplatz

Cricket auf dem Sparrplatz
Es muss nicht immer Fußball sein: Cricket auf dem Sparrplatz.

Auf dem 2001 vom QM Sparrplatz angelegten Bolzplatz sieht man Ungewöhnliches. Rund 20 dunkelhäutige Männer stehen auf dem Feld und diskutieren, einer hält einen merkwürdigen Schläger in der Hand. Was wird hier gespielt?

Nach kurzem Überlegen dann haben wir es erkannt: Hier gehen Pakistanis ihrem Nationalsport Cricket nach. In allen Commonwealth-Ländern löst diese für uns ziemlich unverständliche, mit Baseball verwandte Sportart fanatische Begeisterung aus. Vielleicht demnächst auch hier?

Ausländerbehörde und Afro-Asia-Shop

Ausländerbehörde Nordufer
Die Ausländerbehörde jenseits des Kanals

Die Sonne scheint intensiv. Einer der schönsten Orte im Sprengelkiez ist das Nordufer, wo jetzt endlich wieder alles grünt und blüht. Die Vorgärten der schmucken Gründerzeithäuser am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal sind kleine Blumenparadiese.

Weniger paradiesisch sind wohl die Assoziationen, die so mancher Weddinger mit der Ausländerbehörde jenseits des Kanals verbindet. Doch Diego hat keine schlechten Erinnerungen und ist froh, eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung zu haben.

Afro-Asia Shop
Exotisch: Der Afro-Asia-Shop in der Torfstraße.

In der Torfstraße besuchen wir den Afro-Asia-Shop von Herrn Warrich aus Pakistan. Seit 1998 - damals gab es in Berlin kaum Läden mit afrikanischen Produkten - werden hier Dinge verkauft, die uns staunen lassen. Getrocknete Fische aus Afrika sind dabei, merkwürdig aussehende Wurzeln und sogar Shampoo, mit dem man sich Dreadlocks machen kann.

Exotisches aus Afrika und Asien, von Kochbananen bis Chutney, von Kakaobutter bis Henna, wird hier in friedlicher Koexistenz angeboten. Besonderes Interesse erregt die Outdoor-Wasserpfeife. Aber die ist ein Privatimport aus Pakistan und unverkäuflich, wie uns der lachende Besitzer versichert.

Logo

Nach einem letzten Schlenker in die Sprengelstraße löst sich unsere kleine Gruppe auf. Wir bedanken uns ganz herzlich bei Diego und wünschen ihm alles Gute für die Zukunft. Unser Spaziergang durch ein immer noch unterschätztes Stadtviertel ließ nichts zu wünschen übrig. Außer, dass sich möglichst schnell wieder junge Menschen finden, die uns und andere durch den Sprengelkiez führen möchten.

Diese sollten im Sprengelkiez wohnen, zwischen 15 und 21 und zuverlässig sein. Dafür gibt es eine Qualifizierung, Honorar und hoffentlich jede Menge Spaß (Weitere Infos hier). Die neuen Tour Guides werden dann ihre ganz eigenen Geschichten erzählen aus dem Kiez, in dem Afrika Asien küsst.

Kontakt und Infos über:

Susanne Pozek + Gabi Kienzl
233 66 760 oder 0163 173 00 23
mail[at]route65-wedding[.]de

+++++++++++++++++++++

In unserem Web-Fotoalbum unter https://plus.google.com/photos/105360314571845805702/albums/5465894559275764465 können Sie alle Fotos durchstöbern.

Text und Fotos: Anne Wispler