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Sonntag, 04.03.2007

Aktive Quartiersräte sind sehr erwünscht - Petra Patz-Drüke im Interview

Die Referentin des Bezirks-Bürgermeisters ist zuständig für die QM-Gebiete im Bezirk Mitte. Über die Erfahrungen und Perspektiven damit wurde sie von Christof Schaffelder befragt.
 

 
CS: Seit etwa einem Jahr gibt es in den QM-Gebieten Quartiersräte. Wie beurteilen Sie deren Arbeit und welche Rolle könnten sie in Zukunft übernehmen?

Patz-Drüke: Die Erfahrungen sind sehr erfreulich. Die BürgerInnen arbeiten sehr engagiert, kritisch und genau, sie gehen sehr sorgsam mit den Mitteln um. Obwohl sie ja ehrenamtlich arbeiten, stehen sie den professionellen MitarbeiterInnen der Fachabteilungen nicht nach. Die Hauptaufgabe der Quartiersräte ist bislang die Mitentscheidung bei der Vergabe der Mittel des Programms "Soziale Stadt". Das ist der Ausgangspunkt, der uns vom Senat vorgegeben war. Viele Mitglieder der Quartiersräte wollen aber mehr, wollen an der Erfolgskontrolle der Projekte in den Gebieten beteiligt sein und sich stärker in die Gebietsentwicklung einbringen. Das wird von uns sehr begrüßt. Aktive Quartiersräte sind sehr erwünscht.

CS: Wie könnte darüber hinaus eine stärkere inhaltliche Beteiligung aussehen?

Patz-Drüke: Zum Beispiel könnten die Quartiersräte die Ideenaufrufe inhaltlich vorbereiten: Diese könnten zugespitzt formuliert und auf konkrete Handlungsfelder konzentriert werden, die in den Quartieren als Schwerpunkt gesehen werden. Im Soldiner Kiez überlegt man sich, ob nicht Arbeitsgruppen des Quartiersrates die Projektideen selbst entwickeln sollten. Auch das ist eine gute Möglichkeit. Die Bürgerbeteiligung in den Quartieren ist ja kein statisches Verfahren. Wir sind da ständig am Auswerten der Erfahrungen. Es wird sich noch einiges bewegen.

CS: Es gibt auch Kritik. So heißt es, die Verfahren seien bürokratischer geworden, seitdem vor einem Jahr der Bezirk die Zuständigkeit für die QM-Gebiete übernommen hat. Die Abrechnung der Gelder sei z.B. überaus kompliziert.

Patz-Drüke: Das stimmt leider. Die Quartiersmanagementgebiete stehen im Rampenlicht. Das Abgeordnetenhaus schaut genau hin und der Rechnungshof hat im letzten Jahr einen dicken Bericht geschrieben. Dadurch hat sich der bürokratische Aufwand erhöht. Bei den Abrechnungen ist das gerade für kleine Träger schwierig. Wir können das aber leider nicht ändern, so gerne wir das wollten. Es sind Vorgaben des Senats und der EU.
Etwas anderes ist es, wenn Quartiersmanager über die vielen Stellungnahmen klagen, die von den Fachämtern geschrieben werden. Das ist durchaus so gewollt. Aber nur vorübergehend und nicht als Selbstzweck. Die Fachämter sollen und wollen sich mit den konkreten Problemen vor Ort auch über ihre Ressortgrenzen hinweg auseinandersetzen. Sie sollen stärker einbezogen werden, das Ziel ist ein inhaltlicher Austausch und das Öffnen kurzer Wege. Das bedeutet aber für die QM-Teams zunächst einmal einen Mehraufwand.

CS: Die QM-Gebiete sind nur zeitlich befristet. Im Jahr 2008 läuft die bisherige Förderung aus. Wie soll es dann weitergehen?

Patz-Drüke: Derzeit wird viel verhandelt und debattiert. Es geht ja auch um Gelder des Bundes und der EU. Ich kann also nicht sagen, wie die QMs danach ausgestattet sind und wie die Regeln gestaltet werden. Aber sicher ist: das Quartiersmanagement ist ein Zukunftsmodell. Diese Art der sozialräumlichen Orientierung ist ohne Alternative. Und das wird auch allgemein so erkannt.
 
(Das Quartiersmanagement Sparrplatz dankt Christof Schaffelder dafür, dass er uns das Interview zur Verfügung stellte.)


Interview: Christof Schaffelder; Foto: Frank Bertermann
 
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