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Donnerstag, 17.03.2016

Abschied vom "Problemkiez"

Im Gespräch mit Sultan Bayram aus dem ehemaligen Vergabebeirat

Sultan Bayram

Im Zuge der Verstetigung des Quartiers-managements (QM) Sparrplatz wurde im Dezember 2015 auch der Vergabebeirat verabschiedet. Dieser entschied in den letzten Jahren über die sinnvolle Verwendung des sogenannten Aktionsfonds (ehemals Quartiersfond 1) in Höhe von jährlich 10.000 Euro. Der Aktionsfonds förderte kleinere Projekte und Aktionen aus Mitteln der "Sozialen Stadt".
Sultan Bayram war lange Zeit Mitglied des Vergabebeirats im QM-Gebiet Sparrplatz. Sie ist Mutter von drei Kindern und wohnt mit ihrer Familie seit 1984 im SprengelKiez. Ihr Vater kam damals als Gastarbeiter aus der Türkei nach Berlin. Ihre Kinder, ein Junge und zwei Mädchen sind nun bereits in der 3. Generation in Deutschland. Zurzeit macht Sultan Bayram eine Ausbildung zur Erzieherin in der Oster-Kita.

Sie lebt gern hier. „Ihr“ Kiez hat sich, wie sie findet, sehr gut entwickelt und ist wesentlich schöner geworden. Sie muss zugeben, dass sich immer noch viele über die Zustände im Kiez beklagen. Doch sie tue das nicht, denn hier im SprengelKiez leben nun einmal sehr unterschiedliche Menschen. „Manche sagen, es ist immer noch ein Problemkiez, “ erzählt Sultan Bayram, „aber ich sehe das nicht mehr so.“
Sie ist der Meinung, dass das QM im SprengelKiez tatsächlich langsam verabschieden werden kann. Doch an anderen Orten im Wedding gibt es sicher noch Bedarf. Teilweise sieht es ja schon ganz anders aus, wenn man nur eine Straße weiter guckt.

Auf die Frage, wie sie damals zum Quartiersrat gekommen ist, muss Sultan Bayram lachen und fragt uns, ob es im Deutschen auch so ein Sprichwort gäbe, welches besagt, dass jemand den ganzem Arm nimmt, wenn man ihm nur die Hand reicht. Jedenfalls in Sachen Redewendungen scheinen die Türken sich gar nicht mal so von den Deutschen zu unterscheiden.
Sultan Bayram erklärt, dass sie und ihr Mann zu Zeiten, als ihre Kinder zur Schule und in die Kita gingen, sehr aktiv waren. Um ihre Kinder zu unterstützen, haben sie sich bei den verschiedensten Projekten im Kiez engagiert. Es hat ihr Spaß gemacht und sie sagt: „Schließlich will man ja auch mit den Kindern nicht nur zu Hause sitzen. Man möchte auch den Kindern die andere Form von Zusammenleben zeigen. Es gibt ja nicht nur Kita, Schule und zu Hause. Es ist nicht immer nur Deutsch und Türkisch. Sondern es gibt ja noch mehr und ich wollte, dass sie sich eben auch nach außen öffnen und sagen: Wir können was. Lasst uns mitmachen."

Ab 1999 stand dann das QM als Angebot im Raum. Anwohner aus dem Quartier sollten beteiligt werden, um den Kiez in seiner grundsätzlichen Struktur zu verbessern. Durch die vor Kriegen geflüchteten Familien aus Jugoslawien oder dem Libanon waren die Kitas in den 90er Jahren voll mit Kindern mit Migrationshintergrund. Da musste etwas geschehen, fand Sultan Bayram. Es brauchte Menschen wie sie, die sich engagieren. Auch die Schulen, die Kitas, die Jugendeinrichtungen waren gefragt. Und es sind viele Menschen gekommen, die viele schöne Ideen hatten. Interessierte konnten sich als Quartiersratsmitglied melden. Sultan Bayram fühlte sich verpflichtet, für die Bedürfnisse der Türken im Wedding einzutreten. So kam es, dass sie irgendwann angesprochen wurde, ob sie sich nicht beim Quartiersrat anmelden wolle. Da das „Nein“-sagen nicht zu ihren Stärken gehörte, konnte sie sich schon wenig später Quartiersrätin nennen. Irgendwann holte sie auch ihren Mann dazu, der sich auch einige Zeit im Quartiersrat engagierte. Nach ein paar Jahren interessierte sich sogar ihr Sohn dafür und ließ sich in den Quartiersrat wählen.

Für Sultan Bayram war es immer wichtig zu wissen, woher die Gelder kommen, wohin sie fließen und wie man nachhaltig mit ihnen wirtschaften kann. So wurde sie irgendwann Mitglied im Vergabebeirat. Dieser unterstützte kleinere Projekte mit Geldern aus dem Programm „Soziale Stadt“. Zum Beispiel wurde in Schulen das Erlernen von handwerklichen Techniken in AG's angeboten. Hier musste Material angeschafft werden. Für solche Projekte wurde dann ein Antrag an den Vergabebeirat gestellt und „wir mussten natürlich gucken, in wiefern wir das gut oder schlecht finden.“, so Sultan Bayram. Anträge, die sie strikt ablehnte, waren Investitionen für Lebensmittel. „Dafür“, sagt sie, „ist mir das Geld viel zu viel wert.“ Initiatoren von Projekten sollten auch selbst etwas dazu beisteuern, da gehört ihrer Meinung nach das Besorgen von Getränken oder das Zubereiten von Speisen, sei es ein Salat oder ein Kuchen, dazu. So gab es zu jedem Antrag eine Projektbeschreibung, an Hand derer der Vergabebeirat Projekte bewilligten oder nicht. Für die Vergabe wurden bestimmte Kriterien festgelegt. Bei den Entscheidungen gab es kaum Unstimmigkeiten unter den sechs Beiratsmitgliedern. Sultan Bayram beschreibt den Vergabebeirat als nette kleine Runde. Man habe durchaus nicht nur über Anträge und Projekte gesprochen, sondern man hat sich auch so ein bisschen unterhalten. Insgesamt war sie 4 Jahre Mitglied im Vergabebeirat.

Das Nachfolge-Gremium des Vergabebeirats ist nun die Vergabejury für den SprengelKiezfonds, welche beim Treffen des Runden Tisches SprengelKiez im Februar gewählt wurde. „Jetzt habe ich „Nein!“ gesagt.“, sagt Sultan Bayram stolz. Sie möchte sich nun ein wenig zurückziehen, um sich auf ihre Ausbildung zu konzentrieren. Wir werden das Gefühl jedoch nicht los, dass sie schon gerne mal bei einem Treffen der Vergabejury oder des Runden Tisches vorbei kommen würde. Auch wenn die Vergabejury schon gewählt wurde, gibt es immer noch die Möglichkeit ihr beizutreten und der Runde Tisch SprengelKiez steht so oder so immer allen offen. Sofern es den Runden Tisch nach ihrer Ausbildung noch gibt, wird sie sich mit Sicherheit wieder engagieren. Das Ende des Vergabebeirates passt ihr gerade ganz gut in den Kram.

Sultan Bayram findet: „Es geht nur um unseren Kiez und du wohnst und lebst hier und du willst doch einiges für deine Kinder und für dich überhaupt als Kiezmitbewohner. Da muss man mitreden, denke ich. Wenn man nicht mitredet und es den anderen überlässt, kann man hinterher nicht meckern. Da sind wir, die Menschen die hier leben, gefragt und keiner sonst!“

 

Interview und Foto: Johannes Hayner

Text: Anna Lindner

 
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