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Mittwoch, 10.12.2014

11 Jahre Konfliktvermittlung im SprengelKiez

Die MediatorInnen der Konfliktagentur öffneten das zweite Adventstürchen und feierten ihr Bestehen.

die Mediatoren der Konfliktagentur
Sabine Danzer mit dem Bezirksrat
beeindruckte Gäste
Präventionsbeauftragter Dornblut
Sepende für den neuen Fußboden
Sekt zum Jubiläum
Sponsoren des Buffets
Buffet

Weihnachtliche Stimmung in der Konfliktagentur! Wie soll das gehen? Konflikte sind nicht gerade das Sinnbild für Weihnachtlichkeit und gute Stimmung. Doch es geht...

Draußen ist es schon jetzt bitter kalt und in den Räumen der Konfliktagentur in der Sparrstraße 19 wird es mit jedem Gast, der zur Tür hineinkommt, wärmer. In der Konfliktagentur wird heute nicht nur das zweite Kalendertürchen des diesjährigen Lebendigen Adventskalenders geöffnet, nein, gleichzeitig wird hier auch ihr elfjähriges Jubiläum gefeiert.

Unübersehbar, die Aufschrift Kiezmediator auf dem T-Shirt von Sabine Danzer. Die aufgeweckte Mediatorin führt durch das abwechslungsreiche Abendprogramm. Zu Beginn gibt es eine kleine Einführung in die Arbeit der Konfliktagentur, gefolgt von kurzen Interviews mit dem Bezirksstadtrat für Soziales und Bürgerdienste, Stephan von Dassel, Michael Langer vom Quartiersmanagement Sparrplatz, dem Präventionsbeauftragten des Polizeiabschnittes 35, Wulf Dornblut, sowie Hans-Georg Rennert und Claudia Schwarz vom Sprengelhaus. Es folgt eine Pause, um sich am Buffet zu stärken, das von verschiedenen Einrichtungen, Cafés und Restaurants aus dem Kiez gesponsert wurde. Den Abschluss macht eine Zeitreise durch den Kiez von den 1960er Jahren bis heute in Form einer Diashow.

In der Konfliktagentur bieten elf ausgebildete MediatorInnen Konfliktvermittlung und -beratung an. Die Aufgabe der MediatorInnen besteht darin, Menschen dabei zu unterstützen, Konflikte in ihrer unmittelbaren sozialen Umgebung konstruktiv zu lösen. Mediation ist allerdings nicht gleich Schlichtung. Die Lösungen kommen von den Betroffenen selbst. Somit lernen NachbarInnen ihre Konflikte eigenverantwortlich zu lösen. Die Konfliktagentur vermittelt in Streitfällen aller Art - bei Zoff in der Nachbarschaft oder in Vereinen und Kitas, aber auch in Familien und Partnerschaften. Um ihr Büro zu finanzieren, nimmt die Konfliktagentur einen kleinen Unkostenbeitrag, die MediatorInnen selbst arbeiten ehrenamtlich.

Die Konfliktagentur ist dem SprengelHaus sehr dankbar, das sie ab 2008 mit Räumen unterstützte als im Jahr zuvor die finanzielle Förderung des Projektes auslief. Mit dem Bezug der eigenen Räume am Sparrplatz folgten zwei Jahre Förderung durch Soziale Stadt. Seit dieser Zeit ist die Gesobau AG eine zuverlässige Kooperationspartnerin des Mediationsvereins. Ihr gilt großer Dank, da diese ihnen die Räume in der Sparrstraße kostengünstig überlässt. Zudem fördert die Stiftung der Gesobau AG den Mediationsverein momentan jährlich mit 1000 Euro und unterstützt Aktionen wie die Jubiläumsfeier.

Die allgemeine Stimmung bei den Gästen: Bewunderung. Dafür, was hier mit wenig Mitteln und dem Ehrgeiz weniger Personen geleistet wurde. Die Bewunderung wird unterstrichen durch Spenden der Gäste. Sabine Danzer lässt einen Spendenkrug herumgehen, da es Zeit ist für einen neuen Fußboden in der Konfliktagentur. Um die eigenen Räumlichkeiten zu finanzieren, vermietet der Mediationsverein seine Räume für Seminare und private Veranstaltungen. Darunter hat der Teppich bereits sehr gelitten.

Es herrscht eine vertraute, fast schon familiäre Atmosphäre zum Jubiläum in der Konfliktagentur. Man hat den Eindruck, hier kennt und mag jeder jeden. Es wird angestoßen, zusammen gegessen, gelacht und geredet, wobei das Thema Nummer eins die Zukunft der Konfliktagentur ist.

 

Um die Arbeit der Konfliktagentur besser verstehen zu können, haben wir mit Gerhard Hagemeier gesprochen, der selbst seit 10 Jahren dabei ist.

 

Wie begann die Arbeit der Konfliktagentur vor elf Jahren?

Zu verdanken ist das Ganze besonders Monika Götz, die im Jahr 2003 begonnen hat, die ersten NachbarschaftsmediatorInnen hier im Kiez zu schulen und die Konfliktagentur zu koordinieren. Seit vier Jahren leistet Silka Riedel die Koordination rein ehrenamtlich.

 

Wie viele MediatorInnen gibt es in der Konfliktagentur?

Heute arbeiten hier elf MediatorInnen, bei einem ziemlich ausgeglichenen Verhältnis von Frauen und Männern, was nicht gerade selbstverständlich ist. Viele von uns leben selbst im Kiez und sind umfangreich vernetzt mit den laufenden Projekten und Organisationen.

 

Wie ist die Zusammenarbeit?

Unsere Gruppe ist sehr lebendig und wird getragen von unglaublicher Sympathie untereinander. Jeder von uns bringt ein großes Potential mit, das auf Grund der beruflichen Belastung leider nicht vollkommen ausgeschöpft werden kann. Auch mit der Polizei, dem Sprengelhaus und dem MediationsZentrum Berlin besteht ein reger Austausch.

 

Was treibt Sie an?

Unser ständiger Antrieb ist die Beteiligung an der Weiterentwicklung des Kiezes, da der SprengelKiez immer noch ein Zentrum der Kinderarmut ist, einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Sozialhilfe und Hartz IV-EmpfängerInnen hat und beide Schulen im Kiez zu den Berliner Schulen mit besonderem Entwicklungsbedarf gehören. An diesen harten ökonomischen Faktoren hat sich leider noch nicht viel geändert, aber zumindest der Abwärtstrend konnte aufgehalten werden. Um nicht missverstanden zu werden: Ich lebe, so wie viele andere auch, sehr gerne im Sprengelkiez.

 

Wie kann man sich die zu bewältigenden Konflikte vorstellen?

Aus meiner bisherigen Erfahrung finden die häufigsten Konflikte zwischen NachbarInnen statt. Die Mediation bei Nachbarschaftsfällen gestaltet sich meist etwas komplizierter als bei Familien oder Partnerschaften, da hier keine emotionale Bindung besteht. Hauptaufgabe der Konfliktagentur hierbei ist, erst einmal ein Gespräch zwischen den NachbarInnen herzustellen. Oft stellt sich die Frage nach den jeweiligen Bedürfnissen.

 

Können Sie uns ein Beispiel nennen für einen Fall, der besonders in Erinnerung geblieben ist?

Hmmm... ja 2009 gab es zum Beispiel einen Disput zwischen den „Trinkern“ vom Sparrplatz und den AnwohnerInnen. Von einer Bürgerinitiative wurden Unterschriften gegen die Anwesenheit der „Trinker“ gesammelt. Die Anwohner beschwerten sich unter anderem über den Multishop, der den so genannten „Trinkern“ den Alkohol verkaufte. Es entstand eine sehr aufgeheizte Stimmung, weswegen vom Quartiersmanagement eine Versammlung in der Osterkirche einberufen wurde. Die Konfliktagentur setzte sich mit dem Problem auseinander, in dem in Zweier-Teams Gespräche mit den Kitas, den AnwohnerInnen, den „Trinkern“, der Polizei und den Gewerbetreibenden geführt wurden. Außerdem beschloss der Quartiersrat, Gangway e. V. mit einem Streetwork-Projekt zu beauftragen. Daraufhin zog der Streetworker Axel Illesch für zwei Jahre in unsere Räume ein. Am Ende konnte der Konflikt friedlich gelöst werden.

 

Wie finanziert sich die Konfliktagentur?

Leider ist die Finanzierung der Konfliktagentur nicht dauerhaft gesichert. Es stellt sich die Frage, wie wir unsere Arbeit absichern können. Deshalb haben wir uns bei „Start Social“ beworben. Wir gehören zu den Glücklichen, die ein Beratungsstipendium gewonnen haben und nun von zwei professionellen, ebenfalls ehrenamtlichen Coaches betreut werden. Sie entwickeln mit uns ein Konzept, wie wir bessere Öffentlichkeitsarbeit machen und uns langfristig finanzieren können. Davon erhoffen wir uns so einiges. Parallel dazu wird von „camino“ – eine Werkstatt für Fortbildung, Praxisbegleitung und Forschung in sozialen Bereichen ­– eine Evaluation durchgeführt mit dem Ziel, unsere Arbeit in der Zukunft zu verbessern. Hiervon versprechen wir uns insgesamt eine Neuaufstellung des Vereins, denn momentan ist die Frage der Finanzierung wichtiger denn je. Wir arbeiten mit der ständigen Angst, die eigenen Räume in der Sparrstraße nicht halten zu können. Deshalb wurde einer der Büroräume an die „Communication School“ untervermietet.

 

Vielen Dank für das Gespräch

 

Die Konfliktagentur im Sprengelkiez – Stadtteilmediation Wedding e. V. in der Sparrstraße 19 hat immer dienstags von 16 bis 19 Uhr ein offenes Ohr für Anliegen aller Art der Bürger des Sprengelkiezes und darüber hinaus.

 

 Text und Interview: Anna Lindner

 
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